15 Jahre Arbeit für Albanien

Datum:  |  Autor: Frieder Weinhold

Kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland, wie auch in Albanien, haben sich Menschen aus Wismar, vor allem aus der Evangelisch-methodistischen Gemeinde entschlossen, mit Hilfsgütern nach Albanien zu fahren. Genau genommen fiel die Entscheidung, einen Transport zu organisieren, am 24. November 1991. Umfangreiche Vorbereitungen folgten.

Im Februar 1992 erreichte nach mühsamer Reise der erste Transport aus Wismar die südostalbanische Stadt Pogradec. Dort wurden die Helfer mit der extremen Armut und politischen Unruhen konfrontiert. Im Sommer 1992 ging es dann mit Hilfsgütern und Handwerkszeug für die Reparatur der Dorfschule in das hoch in den Bergen liegende Örtchen Jolle.

Ein Helfer der ersten Stunde äußerte sich betroffen: „Die Armut ist erschreckend. Außer elektrischem Strom, der nur zeitweise verfügbar ist, und einer alten chinesischen Raupe gibt es nichts, was darauf hinweist, dass das 20. Jahrhundert schon längst angebrochen ist. Die Menschen leben von dem, was sie anbauen und vom Abholzen der Wälder. Das bisschen Geld, das sie haben, reicht noch nicht einmal für Kleidung oder gar Schulmaterialien. Medizinische Versorgung – Fehlanzeige. Neben der materiellen Armut wird deutlich, dass sie nach neuer Orientierung suchen. Allerdings sind die Leute nach vielen Enttäuschungen der Vergangenheit misstrauisch geworden. Viele haben resigniert.“

Hilfsgüterverteilung 1993 in Jolle

Hilfsgüterverteilung 1993 in Jolle

Um den Menschen neuen Mut zu geben, haben die Wismarer Albanienhelfer weitergemacht. Sie gründeten einen Verein, um die Hilfsarbeit besser organisieren zu können und natürlich auch Transparenz gegenüber den mittlerweile zahlreichen Helfern und Spendern, die nicht der Wismarer Evangelisch-methodistischen Kirche angehören, zu schaffen. Drei bis fünf Einsätze im Jahr – das waren die Aktivitäten der Albanienhelfer in den ersten Jahren.

Einen Einschnitt gab es 1997: Bürgerkriegsähnliche Aufstände überzogen die kleine Balkanrepublik, viele Ausländer mussten fliehen, die öffentliche Ordnung brach zusammen. Die Wismarer Helfer konnten zusammen mit der Partnerorganisation Fondacioni Nehemia in Pogradec weitermachen und die Arbeit ausbauen. Die Hilfsstation in Bishnica nahm im September ihre Arbeit auf. Damit begann auch – auf Wunsch albanischer Freunde – der Aufbau einer Kirchgemeinde, die in der Evangelisch-methodistischen Kirche beheimatet ist. Mit der pastoralen Leitung wurde Frieder Weinhold durch Bischof Bolleter beauftragt. Ab 2005 mündete das auch in eine 50%ige Anstellung durch die Kirche zu diesem Zweck.

Daten der Albanienhilfe

1991  Beginn der Aktion innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) Wismar
1992  erster Transport im Februar
1993  erste Fernsehübertragungen über NDR Nordmagazin
1995  Der Christliche Hilfsverein Wismar e.V. (CHW) wird gegründet
1996  CHW wird Mitglied im Diakonischen Werk
1997  Beginn der offiziellen Partnerschaft mit Fondacioni Nehemia
1997  Aufbau der Hilfsstation in Bishnica
1998  Gemeindegründung der EmK in Bishnica
1999  Bisher größte Aktionen – Flüchtlingshilfe in der Kosovokrise
1999  Gründung des Internates in Bishnica
1999  Verleihung eines Förderpreises der Robert Bosch Stiftung
2003  Ausdehnung der kirchlichen Arbeit nach Pogradec und Tirana
2004  Beginn der Ausbildung zweier albanischer Sozialarbeiter und Theologen in Österreich für die zukünftige Arbeit in Albanien
2004  Kindergartenprojekt in Dushk
2004  Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
2005  Frieder Weinhold zu 50% von der EmK für Albanien beauftragt
2005  Pflegehaus in Velcan
2006  Die albanischen EmK-Gemeinden werden Mitglied der albanischen evangelischen Allianz (VUSH)

Die Arbeit für Albanien hat natürlich auch in Deutschland nicht nur Spender und praktische Helfer gefunden, sondern immer wieder auf die Aktivität eines christlichen Vereins aufmerksam gemacht. Im Dezember 2004 würdigte der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Harald Ringstorff, die ehrenamtliche Arbeit im Rahmen des CHW: „Ich möchte die Leistungen, die in Deutschland von Menschen wie Ihnen tagein und tagaus, über Jahre … hinweg, erbracht werden, als das ‚unsichtbare Rückgrat unserer Gesellschaft‘ bezeichnen. Ohne diese Leistungen wäre unser Land mit Sicherheit um einiges materiell ärmer – ganz gewiss aber arm an Idealismus, arm an Motivation, Lebensfreude, Menschlichkeit und Wärme!“

 

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