Albaniens Tourismus im Aufschwung – Gesamtwirtschaft stagniert

Datum:  |  Autor: Andreas Kühn

Nach aktuell vorliegenden ­Zahlen rutschte Albaniens Wirtschaft 2012 in die Stagnation. Vor allem von der Inlandsnachfrage gingen keine wesentlichen Impulse aus. Das einzig Positive: Von der europäischen Schuldenkrise blieb das Land auf Grund seiner geringen Verflechtung mit der Weltwirtschaft verschont. Risiken birgt noch immer die Abhängigkeit von Überweisungen der mehr als eine Million in Italien und Griechenland tätigen Albaner, die für viele Familien wichtigste Einnahmequelle darstellen.

Albanien gehört weiterhin zu den ärmsten Ländern Europas. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf lag 2012 bei 3.304 Euro. In absoluter Armut (Einkommen bis 50 US$/Monat) leben etwa 12%, in „extremer Armut“ (maximal 1 US$/Tag) 1,2% der Bevölkerung. Die rea­len Durchschnittslöhne sind 2012 nach Angaben der albanischen Zentralbank auf etwa 260 Euro pro Monat gefallen.

Rückgrat der albanischen Wirtschaft ist noch immer die Landwirtschaft, die jedoch unter veralteten Produktionsbedingungen und sehr schlechten Vertriebsmöglichkeiten leidet. Das Land ist weiterhin in hohem Maße auf Einfuhren von Lebens­mitteln angewiesen. Bis heute dauern rechtsstaatliche Defizite bei Eigentum an Grund und Boden an – auch das schreckt ausländische Investoren ab.

Der Großraum Tirana ist das wirtschaftliche Zentrum Albaniens

Das Gros des BIP wird in der Küstenregion erwirtschaftet, insbesondere im Raum Tirana-Durrës. In den vielen unwegsamen Bergregionen ist die Moderne hingegen kaum angekommen. Die Binnenwanderung aus strukturschwachen Gebieten in die größeren Städte der Küstenregion dauert unvermindert an. Ein Charakteristikum ist die nach wie vor hohe Zahl der im Ausland arbeitenden albanischen Niedriglöhner (etwa 600.000 in Griechenland, 500.000 in Italien).

Das riesige Wohlstandsgefälle, hohe Anteile der Schattenwirtschaft (nach Schätzung von westlichen Experten mehr als 50%), Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Clanwirtschaft und Korruption sind Kennzeichen des albanischen Dilemmas. Der Einfluss des organisierten Verbrechens ist in allen Wirtschaftszweigen bedeutend: Kriminell erwirtschaftetes Geld fließt vor allem in den Dienstleistungsbereich (Tankstellen, Kasinos, Hotels, Gaststätten) und die Bauwirtschaft. Die Staatsmacht ist geschwächt und setzt dem kaum etwas entgegen!

Badeurlauber am Ohridsee

Eine gravierende Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Albaniens hat der Tourismus: In einigen Küstenregionen zählt der Badetourismus schon jetzt zu den wichtigsten Arbeitgebern. Der Tourismus in Albanien erlebt derzeit einen Aufschwung. Die Gesamtzahl der Touristen lag 2011 um 29% höher als im Jahr 2009! Im Bereich von Ressort- und Hotelentwicklung besteht beträchtliches Potenzial. Einige der schönsten Plätze Albaniens, besonders am Meer, sind allerdings durch illegale Bauvorhaben und Umweltverschmutzung bedroht. Insbesondere südlich von Durrës und nördlich von Vlora entstanden in den letzten Jahren zahlreiche Hotels und Apartmenthäuser.

 

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