Bäume als Zeichen der Hoffnung

Datum:  |  Autor: Ostthüringer Zeitung / CHW

Albanische Forstwirtschaftler schauen von Montag bis heute drei Tage lang Thüringer Fachleuten auf die Finger

Schwarzburg. Im Rahmen des durch einen deutschen Hilfsverein im Jahr 2004 initiierten Projekts „Bäume für die Zukunft“ stellen unter anderem in Schwarzburg, Bad Berka und Saalfeld mehrere Thüringer Forstfachleute ihr Know-how zur Verfügung. „Bäume für die Zukunft“ soll daher eine Basis für die Entwicklung der Dörfer in der Mokra-Region in den albanischen Bergen bieten. Wie Reimar Niehoff, Stationsleiter des Hilfsvereins im albanischen Bishnica, sagte, sei es „notwendig, eine langfristige Entwicklung vor Ort zu fördern“. In dem kleinen Bergdorf werden die Bäume in einer Baumschule von einheimischen Fachkräften aufgezogen und nach drei bis vier Jahren an die Bauern abgegeben. Diese übernehmen die Verantwortung für die Pflege und die weitere Aufzucht der Bäume.

„Bäume sind ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung“, sagt Kristjan Menkshi, ein albanischer Betreuer des Projekts. Der Raubbau in der Mokra-Region hat eine karge Landschaft hinterlassen. Der Boden hat durch Erosion schon stark gelitten. Hier wollen Thüringer und albanische Fachleute gemeinsam gegensteuern.

Der erste Tag der albanischen Gäste war im Botanischen Garten der Forstfachschule Schwarzburg vor allem der Technik gewidmet. Forstwirtschaftsmeister Ralf Götze demonstrierte moderne Motorsägen ebenso wie mechanische Hilfen. Auch der Arbeitsschutz kam nicht zu kurz. Pflanzverfahren mit diversen Hilfsmitteln hieß ein weiteres Lehrstück für die Gäste vom Balkan.

Seit anderthalb Jahrzehnten ist der Verein mit zahlreichen Helfern in den albanischen Bergen ganzjährig tätig. Das ehemalige kommunistische Musterdorf Bishnica, wo sich das Gemeindezentrum des Vereins befindet, ist ein „Paradebeispiel“ für die systematische jahrzehntelange Zerstörung der Natur. Großflächig abgeholzte Flächen, fortschreitende Erosion der Böden und extensiver Raubbau an jungen Bäumen durch Viehwirtschaft, vor allem Ziegen, sind sichtbare Kennzeichen. „Da müsste doch was zu machen sein“, dachte sich im vergangenen Jahr der Forstfachmann Matthias Schwimmer, Referent für Forstpolitik im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, als er einen Bericht über die Arbeit des Vereins las.

Im vergangenen Sommer trafen sich erstmalig der Vereins-Vorsitzende, der Wismarer Pastor Frieder Weinhold, und Schwimmer im Saalfelder Stadtwald. Schwimmer erläuterte, dass ein seit einem halben Jahrzehnt vom ihm initiiertes Projekt auch in der albanischen Mokra-Region erfolgversprechend sein könnte: Ein Stück Wald wurde großzügig ausgeforstet, nur einige große Bäume blieben stehen. Die gesamte Fläche wurde zum Schutz vor Wildverbiss mit Gattern eingefriedet. „Und dann haben wir nur gewartet, was passiert“, so Schwimmer. Das ebenso einfache wie vergleichsweise finanziell nicht aufwändige Projekt passt in die Zeit: Die Natur behilft sich selbst. Die großen Bäume wachsen, wie der Fachmann sagt, noch besser ins Geld; an den Stümpfen am Boden schlagen junge Triebe aus, die später Brennholz liefern. Und der Waldboden wird dank mehr Lichteinfall schnell wieder ein üppig mit Pflanzen belebter Bereich.

Eine Wiederholung dieses Experiments wäre eine große Chance in den Bergen um Bishnica, meint Weinhold. Schwimmer und Revierförster Daniel Heinrich werden im Mai Urlaub nehmen und auf eigene Kosten gen Albanien reisen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Bäume sind ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung.

Andrea Seemann
aus: Ostthüringer Zeitung, Ausgabe Rudolstadt, 13. März 2007

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