Begegnungen gegen den Haß

Datum:  |  Autor: Ingmar Bartsch / CHW

Im Jahr nach dem Krieg: Jugendcamp am Ohrid-See mit Kosovaren, Serben und Mazedoniern

Der Krieg im Kosovo ist vorbei, doch der Hass bleibt. Die UN-Friedenstruppe K-FOR sorgt für Ordnung, aber kann es auf dem Balkan Versöhnung geben? 100 junge Leute hoffen es – Mazedonier, Albaner, US-Amerikaner, Deutsche, Serben und Kosovo-Albaner. Sie haben vom 7. bis 14. August acht Tage zusammen am Ohrid-See im Südwesten Mazedoniens verbracht. Die Evangelisch-methodistische Kirche in Mazedonien hatte zu dieser internationalen Jugendbegegnung eingeladen. Mit Bedacht war das Thema der Woche unpolitisch formuliert, denn immer noch ist Verbitterung zu spüren, vor allem bei den Kosovo-Albanern. Die Hoffnung der Veranstalter: Wenn die Angehörigen vormals verfeindeter Volksgruppen miteinander ihre Freizeit verbringen, Theater spielen, singen oder Sport treiben, dann kommen sie auch über die drängende Frage nach dem zukünftigen Zusammenleben auf dem Balkan leichter ins Gespräch. Und tatsächlich: Auch junge Kosovo-Albaner und Serben haben sich in diesem Camp aufeinander eingelassen.

Gezim Demaj kommt aus dem Kosovo. Schlimmer als das Bombardement durch die NATO hat er die Verfolgung durch die serbischen Truppen und Polizeikräfte erlebt. Für ihn und seinen Freund Ismail Dekavti wäre die politische Unabhängigkeit des Kosovo von Jugoslawien die Lösung der Krise. Zugleich sind sich die beiden jungen Männer aber auch bewusst, dass eine solche Lösung neue Probleme mit sich bringen würde. Einige amerikanische Teilnehmer sehen das militärische Engagement der USA im Kosovo-Konflikt durchaus kritisch, sind nicht unbedingt glücklich über die Rolle der USA als Weltpolizei.

Vier Jugendliche kommen aus Bishnica in Albanien, wo der Christliche Hilfsverein Wismar tätig ist. Sie haben zunächst feststellen müssen, dass die Teilnehmer aus dem Kosovo ein ganz anderes Albanisch sprechen als sie selbst. Gleichwohl sagt Rigels Kasmollari aus Bishnica : „Ich habe viele neue Freunde kennengelernt, mit denen ich mit Sicherheit in Kontakt bleiben werde.“ Und außerdem: Wann kann man sich schon einmal mit einem richtigen Staatspräsidenten unterhalten? Mazedoniens Präsident Boris Trajkowski hat sich in seinem Haus am Ohrid-See für ein Gespräch mit den Jugendlichen Zeit genommen – nicht der einzige Höhepunkt des Camps.

Die Veranstalter des internationalen Jugendlagers jedenfalls sind zufrieden mit dem Verlauf der Woche. Campleiter Mihail Cekov: „Das Jugendcamp hat seinen Zweck erfüllt.“ Neuauflage nicht ausgeschlossen.

Ingmar Bartsch

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.