Begeisternde Klänge

Datum:  |  Autor: Claudia Hanisch / CHW

Entwicklungsarbeit hat nicht nur eine materielle Seite, sie kann auch das kulturelle Leben betreffen. So regten die Vorstandsmitglieder des Christlichen Hilfsvereins Wismar die jungen Erwachsenen in dem albanischen Bergdorf Bishnica an, ihre Volkslieder und -tänze zu pflegen und dieses wertvolle Kulturgut zu bewahren.

Die Hirtenflöte wurde schon vor hunderten von Jahren gespielt, damals bestand sie jedoch noch nicht aus Metall wie heute

Schnell fand sich ein Leiter für die Gruppe, der mit ein paar Freunden oft auf Hochzeiten den musikalischen Rahmen gestaltet: Kristian spielt Akkordeon und ist von den Volksweisen seines Heimatlandes fasziniert. Die lebhaften Tänze drücken viel von der großen Freude der ganzen Familie aus, wenn zwei Menschen ein gemeinsames Leben beginnen. Dann gibt es die eher poetischeren Balladen, die feierlich und auch klagend vom Alltag der Bewohner Albaniens berichten.

Poetische Balladen, die aus dem Alltag des Bergvolkes erzählen

Die Bishnicer Folkloregruppe versucht, die verschiedenen Charaktere der Volksmusik aufzunehmen und sie lebendig und farbenfroh zu interpretieren. Dazu gehört auch, dass sie alte albanische Instrumente einbezieht: Die Hirtenflöte (fyelli), das Tamburin (dajre) und den Dudelsack (gajde). Dazu singen und tanzen Jungen und Mädchen der Jugendgruppe, die sich im Saal des Christlichen Hilfsvereins in Bishnica regelmäßig trifft. Nach albanischer Tradition wird kaum paarweise getanzt wie in Deutschland; stattdessen fassen sich alle Tänzer an den Händen und bewegen sich im Kreis, während sie mit den Füßen synchrone Schritte ausführen. Der erste Tänzer leitet den Reigen mit einem Tuch in der Hand.

Die Folkloreklänge sind heute im Dorfalltag selten geworden. Umso größer ist bei jeder Probe der Gruppe der Andrang an Zaungästen, die sich um den Saal versammeln, um den so vertrauten Liedern früherer Zeiten zu lauschen. „Wann gebt ihr ein Konzert?“ wird immer wieder gefragt, und dabei leuchtet Begeisterung in den Augen derer, die einem so traditionsreichen Balkanvolk angehören.

Claudia Hanisch

 

 

Ein Hochzeitslied

Nënë portokalle moj,
të ndala unë ty.
Lulet e limonit moj,
të binin mbi sy.

Ngrije kokën lart o moj
se më mori malli.
Binte gusha jote moj
aromë portokalli.

Rrinim ne të dy o moj
nënë portokalle.
Përmbi kokat tona moj
lulet hidhnin valle.

Ngrije kokën lart o moj
se më mori malli.
Binte gusha jote moj
aromë portokalli.

Unter dem Orangenbaum
habe ich dich aufgehalten.
Die Zitronenblüten
fielen auf deine Augen.

Erhebe deinen Kopf,
denn die Sehnsucht hat mich erfasst.
Dein Mund duftete
wie Orangenduft.

Wir haben beide verweilt
unter dem Orangenbaum.
Über unseren Häuptern
tanzten die Blüten.

Erhebe deinen Kopf,
denn die Sehnsucht hat mich erfasst.
Dein Mund duftete
wie Orangenduft.

(mündlich überliefert)

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