Corona-Projekt: Praktische Hilfe und Dankbarkeit

Datum:  |  Autor: Aurora Zeqo

Seit eineinhalb Jahren leisten die Mitarbeiter der Diakonia Albania eine großartige Arbeit im Rahmen des Corona-Projekts. Diese Hilfe lindert auch weiterhin existenzielle Not, wie Aurora Zeqo in ihrem Bericht zeigt.

Anfang 2020 begann die Covid-19-Pandemie. Wie überall auf der Welt starben auch in Albanien Menschen. Die Angst hat spürbar zugenommen, die ohnehin schon schlechten Lebensumstände vieler Menschen wurden noch schwieriger. Nach dem Lockdown im März 2020 durften die Menschen eine Zeitlang ihre Häuser nicht verlassen. Auch der normale Verkehr zwischen den Städten und Dörfern war eingeschränkt, so dass viele Familien Schwierigkeiten hatten, sich zu versorgen.

Besonders schwierig war die Situation in den Mokra-Bergen, wo viele Wanderarbeiter nicht mehr weggehen bzw. zurück nach Hause konnten und für viele Familien das Einkommen wegbrach. Dort ist die Kriminalitätsrate deutlich gestiegen, es gab auch mehrere Selbstmorde. Wir haben versucht, den Kontakt zu den Menschen zu halten, die wir betreuen – telefonisch, durch unseren Fahrer oder die Sozialarbeiter. 

Corona-Hilfe in der Mokra

Das Hilfsprojekt ausgeweitet

Mit Hilfe des CHW und unserer Unterstützer aus Deutschland haben wir schon direkt nach dem Lockdown erste Nothilfe angeboten. Diese wurde dann zu einem dauerhaften Projekt mit vielen Aspekten ausgebaut:

  • Familienhilfe – Verteilung von Lebensmittelpaketen und Hygienematerial, zuerst in Pogradec und 13 Dörfern (schwerpunktmäßig bei 3 großen Verteilaktionen), später auch in den Städten Librazhd, Lezha, Perrenjas und Tirana
  • Information, Aufklärung, Beratung zu Covid-19
  • Medizinische Betreuung von Diabetikern und chronisch Kranken
  • Physiotherapie für Menschen mit körperlichen Behinderungen
  • Psychosozialer Dienst in Familien
  • Psychosozialer Dienst und Beratung für die Minderheit der Roma und Ägypter
  • Altendienst, Krankenhaushilfe
  • Medizinische Hilfe, Material und Verpflegung

Wir haben jedoch nicht nur die Unterstützung der Familien verstärkt, sondern auch die Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen. Beispielsweise haben wir die Krankenhäuser von Pogradec und Librazhd mit Hygienematerial, Desinfektionsmitteln, Covid-Schutzkleidung und Medikamenten unterstützt. Dadurch wuchs das Vertrauen der Behörden in unsere Arbeit, was dazu beigetragen hat, dass uns vom Jugendamt nach einem langen Verfahren zwei weitere Kinder zugewiesen wurden.

Die Geschichte von Lefterie Cani

Welche Bedeutung unsere Unterstützung für die Betroffenen hat, möchte ich am Beispiel von Lefterie Cani verdeutlichen. Sie wurde vor 26 Jahren in Labinot (Kreis Elbasan) geboren und hat im Dorf Shpelle geheiratet, aber ohne Hochzeitsfest. Sie ist behindert und hat drei Kinder. Die älteste Tochter Adea ist 6 Jahre alt; sie wird im Wohnheim Bishnica betreut und bekommt dort eine Vorschulerziehung. Da Lefteria von ihren finanziellen und körperlichen Möglichkeiten her die Kinder nicht versorgen kann, hat Adea Schwierigkeiten in der Artikulation und Sprachentwicklung. Schon in jungen Jahren hat sie Probleme mit Bluthochdruck und einigen anderen Krankheiten.

Der Arzt empfahl Lefterie keine dritte Geburt, aber sie wurde wieder schwanger und brachte vor einigen Monaten einen Jungen zur Welt. Armut und fehlende Finanzen, aber auch die Entfernung von 3 Fahrstunden zur Stadt machten eine medizinische Versorgung fast unmöglich. Das Gesundheitszentrum im nächsten Dorf hat keine Krankenschwester oder Hebamme. Hier konnten wir helfen: Während der Schwangerschaft begleiteten wir Lefterie zu den Vorsorgeuntersuchungen ins staatliche Krankenhaus Pogradec, auch zur Geburt fuhren wir sie mit unseren Fahrzeugen. Ohne diese medizinische Hilfe und Begleitung wären das Leben ihres Babys wie auch ihr eigenes ernsthaft gefährdet gewesen.

Lefterie Cani mit ihrem Baby

Solche Geschichten gibt es viele. Ich war bei vielen Einsätzen dabei und habe die Not der Menschen selbst erlebt.

Oft sind wir die Einzigen, die helfen

Ein positiver Aspekt der Covid-19-Hilfe ist, dass die Menschen sich nun deutlich offener für unsere Arbeit zeigen; auch deshalb, da wir in vielen Dörfern die einzigen waren, die überhaupt Hilfe angeboten haben. Die Bilder zeigen dankbare Gesichter – nicht nur wegen der materiellen Hilfe, sondern weil jemand da war, der sie gebracht hat.

Das gilt nicht nur für die Betroffenen: Kürzlich kam ein Inspektor für soziale Dienstleistungen aus Tirana; bei seinem Besuch drückte er Verwunderung aus, wie wir unsere Arbeit während all der Beschränkungen durchgeführt haben, und sagte die weitere Unterstützung unserer Arbeit zu. Auch ein Kontrollteam des UNDP (Entwicklungsprogramm der UNO) war vor einigen Monaten sehr zufrieden mit unserem Projekt und hat die Förderung für ein halbes Jahr verlängert.

Noch einige gute Nachrichten: Vor einigen Wochen berichtete das albanische Fernsehen über unsere Corona-Aktion. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Pogradec hat sich verbessert. Ende September beteiligten wir uns mit einem Info- und Verkaufsstand an einem Dorffest in der Mokra; dabei wurde Valbona Balla, unsere Leiterin Sozialarbeit, ebenfalls von einem Fernsehteam interviewt. So hat sich unsere Position in der Mokra gefestigt. Auch in den Dörfern bei Lezha konnten wir viel bewirken.

Unterstützen Sie uns weiter

Wir sind unseren deutschen Freunden sehr dankbar – ohne Ihre finanzielle Unterstützung wäre diese Arbeit nicht möglich! So sind wir dankbar, dass wir gemeinsam in verschiedenen Städten und Dörfern praktische Hilfe in diesen Pandemie-Zeiten leisten können.

Fotos: Valbona Balla, Aurora Zeqo u.a.

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