Das „Internat“ in Bishnica

Datum:  |  Autor: Frieder Weinhold

Eigentlich sind wir auf der Suche nach einem neuen Namen für dieses Projekt, das als Anerkennung einen dritten Förderpreis der Robert Bosch Stiftung erhalten hat. „Internat“ klingt so, als ob elitäre Eltern ihre Kinder auf eine besondere Schule geben würden. Das Einzige, was die Familien, aus denen die Kinder des Internates als „Luxusgut“ haben, ist eine weit von den Verkehrswegen liegende fantastisch schöne Natur.

Ich möchte hier Claudia Hanisch zitieren, die das Projekt damals folgendermaßen beschrieb:

„Mokra ist eine abgelegene Bergregion im Südosten Albaniens, deren Dörfer bis zu 1.200 m hoch liegen, oft in Taleinschnitten versteckt oder verstreut an Hängen. Die Infrastruktur ist schlecht, vor allem, was Straßen und Bildungseinrichtungen betrifft. Die Straßen sind schlechte Feldwege, öffentliche Verkehrsmittel zwischen den einzelnen Dörfern gibt es nicht. Alles wird zu Fuß zurückgelegt, über im Winter vereiste, im Frühjahr knöcheltief schlammige und im Sommer staubige und steinige steile Pfade.

Claudia und Michael Hanisch haben von 1997 bis 2003 die Arbeit in Bishnica geleitet. Sie leisteten sehr wertvolle Pionierarbeit. Auf ihr Engagement geht die Gründung des Internates zurück. Das Bild stammt aus der Anfangszeit ihres Dienstes beim CHW.

Grundschulen gibt es in jeder größeren Ansiedlung, die Achtklassenschulen jeweils in einigen zentral gelegenen Dörfern. Unter den gegebenen Bedingungen bedeutet das, dass die Kinder täglich ein- bis zweistündige Schulwege zu Fuß zurücklegen müssen und die Schule bei schlechtem Wetter gar nicht besuchen können. Das Dorf Jolle war von der Reduzierung seiner Bildungseinrichtung von Achtklassenschule auf Grundschule im Sommer 1999 besonders getroffen, da die Schüler nun vier Stunden Schulweg zurücklegen mussten, um die nächstgelegene Lehranstalt im Dorf Bishnica zu besuchen.

Das Team des Christlichen Hilfsvereins Wismar, das in Bishnica stationiert ist, konnte dieser Not begegnen. Die zwei Gästewohnungen in dem Mehrfamilienhaus, das das Team bewohnt, wurden zum Internat umfunktioniert. Zwei Schlafsäle und Studierzimmer für Jungen und Mädchen wurden zusammen mit einer Küche eingerichtet, und Ende September konnte der Betrieb losgehen. Anfangs vertrauten uns neun Eltern ihre Kinder an, im Oktober waren es schon elf Schüler.

Drei der ersten Kinder im Internat in Bishnica (Foto: FW)

Der Schulweg der Kinder ist nun auf eine Minute Wegstrecke reduziert, denn das Internatsgebäude liegt direkt gegenüber der Achtklassenschule. Zwei Betreuer kümmern sich rund um die Uhr um ihre Schützlinge, wobei der Schwerpunkt auf der nachmittäglichen Studierzeit von 15 bis 17 Uhr liegt und individuelle Hilfe und Nachhilfe gegeben werden kann. Die Schüler beschäftigen sich nun intensiver mit dem Lernstoff als zu Hause, denn sie sind so von allen Hausund Feldarbeiten befreit und können sich ihren Büchern und Aufgaben widmen. Damit konnten Lernschwächen einiger Kinder behoben und lernstarke Schüler optimal gefördert werden.

Das Internat in Bishnica wird derzeit (Frühjahr 2004) nur von vier Kindern besucht. Das wirft ein Schlaglicht auf die sich wandelnde Bevölkerungsstruktur der entlegenen Bergdörfer. Gerade aber diese Kinder brauchen unsere Hilfe. Sie hätten sonst keine Chance für eine vernünftige Schulbildung. Durch die Kombination mit anderen Projekten, z. B. Durchführung offener Kindergruppen, kann Betreuungsarbeit im Internat in hoher Qualität aufrechterhalten werden.“

Im Jahr 2011 gehören Spiel und Spaß genauso zum Programm…

…wie das ordentliche Erledigen der Schularbeiten   (Fotos: Steffen Thomas)

Das Internat ist auch heute noch ein zentrales Projekt des CHW und ist vollständig auf Spenden angewiesen. Damit erhalten auch im Schuljahr 2011/12 wieder zehn Kinder dieser besonders benachteiligten Familien die Chance, nicht Analphabeten zu bleiben. Dazu beschäftigen wir extra einen Lehrer für den Nachhilfeunterricht. Dieses Projekt wird ausschließlich aus Spenden finanziert.

Übrigens: Wenn Sie einen guten Namen für das Projekt haben, dann schreiben Sie uns!

 

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