Die Situation koptischer Christen in Ägypten

Datum:  |  Autor: Michael Wetzel

Herzlicher Empfang im Kloster Höxter-Brenkhausen, umgeben von Wandgemälden im traditionellen Stil

Herzlicher Empfang im Kloster Höxter-Brenkhausen, umgeben von Wandgemälden im traditionellen Stil

Schätzungen gehen von etwa 9 Millionen Kopten in Ägypten aus. Gläubige dieser wohl ältesten Kirche der Welt findet man auch in Äthiopien, Eritrea, Syrien und dem Irak. Mehr als 12.000 Kopten haben in Deutschland eine Heimat gefunden – Tendenz steigend. Übrigens verstehen sich die Kopten (abgeleitet vom griechischen aigyptioi) als Nachfahren der ursprünglichen Ägypter, bevor das Land unter arabisch-islamische Herrschaft kam.

Diese interessanten Fakten erfuhren die Teilnehmer des Vereinsseminars „Ethnische und religiöse Vielfalt“ bei einer Exkursion in das koptische Kloster Brenkhausen am 25.09.2021 aus erster Hand. Bischof Anba Damian, oberster Repräsentant der koptischen Kirche in Deutschland, ließ es sich nicht nehmen, die Seminargruppe persönlich zu begrüßen. Er begegnete uns mit einer Frömmigkeit (und Fröhlichkeit), die über Jahrtausende die Spiritualität der Urchristen bewahrt hat. Auf zentrale Figuren der Kirchengeschichte führen sich die Kopten zurück: auf den Apostel Markus, der als Gründer der Gemeinden am Nil gilt, auf Antonius, den ersten christlichen Mönch, und auf Pachomius, der mit der ersten Klosterregel auch Vorbild für das monastische Leben in Europa war.

Benachteiligte Minderheit

Im heutigen Ägypten ist der einst prägende Einfluss der ­Kopten schon lange zurückgedrängt. Mit kaum 10% der Gesamtbevölkerung stellen sie eine Minderheit dar, deren Existenzbedingungen seit dem „Arabischen Frühling“ nicht einfacher geworden sind. Für uns überraschend, mochte Bischof Damian dennoch nicht von einer Verfolgungssituation sprechen, wie sie aus anderen Kontexten bekannt ist. Der spürbaren Benachteiligung im öffentlichen Leben sowie islamistischen Gewalttaten, wie etwa den blutigen Anschlägen in Alexandria 2011 und Kairo 2016, stehen andere Erfahrungen gegenüber, wo friedliche Nachbarschaft gelebt wird und Kopten eigene Schulen und Kindergärten betreiben. Dass der ägyptische Staat dennoch eher Lippenbekenntnisse abgibt als die praktischen Nachteile der Kopten (z. B. bei der Berufung auf hohe Verwaltungsposten) zu mindern, spricht Bischof Damian gegenüber der Regierung offen an.

Viele Kopten sind aus Sicherheitsgründen ins Ausland gegangen. Die weihrauchdurchflutete Klosterkirche Brenkhausen ist einer der Orte, wo sie nun ihre mehrstündigen Gottesdienste feiern. Auch hier in der Diaspora gestalten sie ihren Glauben – eingerahmt von ökumenischen Kontakten – ganz nach den Riten ihrer Vorfahren. Besucher spüren ihnen ihre Ernsthaftigkeit im Glauben, ihre Gastfreundschaft und ihre Aufgeschlossenheit ab, mit der sie persönliche Erfahrungen berichten und dabei dankbar sind für Freiheitserfahrungen, die sie in ihrer alten Heimat vermissen.

Fotos: Hans Otto Weinhold, Matthias Pommranz, Gitta Pabst, Christine Reindorf

Für das eigene Engagement lernen

Der Besuch in Brenkhausen hat der Seminargruppe wertvolle Einsichten vermittelt und manche Parallele zur ehrenamtlichen Vereinsarbeit in Albanien aufgezeigt. Denn das mehr oder weniger schwierige Miteinander verschiedener religiöser Gruppen, zwischen friedlicher Koexistenz und fundamentalistischer Unduldsamkeit, gibt es in vielen Ländern und Gesellschaften. Engagement in solchen Kontexten braucht ein Gespür dafür, wie eine toleranzbasierte Arbeit auf unterschwellige Rivalitäten im Wettstreit um Macht und im Zusammenhang von Korruption und archaischen Familienstrukturen angemessen reagieren kann. Dieses Gespür hat die Begegnung mit den Kopten im Kloster nachhaltig geschärft.

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