Drogenrazzia in Lazarat

Datum:  |  Autor: CHW

Eine kleines Dorf im Süden Albaniens produzierte 2014 dicke Schlagzeilen: Lazarat, das Drogenzentrum Albaniens. Die Kommune mit rund 2.800 Einwohnern liegt in der Nähe von Gjirokastra, etwa 28 km von griechischen Grenze, und war über 15 Jahre fest in der Hand von Drogenbanden.

Lazarat hat eine spezielle Geschichte: Bereits im 17. Jahrhundert soll es eine Kolonie von Aussätzigen gewesen sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg deportierten die Kommunisten unliebsame Familien dorthin; so bildete sich eine regimekritische Haltung, die auch nach der Wende 1990 andauerte. In den Neunzigerjahren entwickelte sich Lazarat zum größten Drogenanbaugebiet Europas, ungestört von den Behörden. Die italienische Guardia di Finanza erkundete 2013 die Anbauflächen aus der Luft und schätzte, dass auf einer Anbaufläche von mehr als 300 Hektar jährlich 900 Tonnen Cannabis im Wert von 4,5 Milliarden Euro produziert wurden – das entspricht mehr als einem Drittel des albanischen Bruttoinlandsprodukts. Systematisch entzog sich das Dorf jedweder öffentlichen Kontrolle; Drogenbanden kontrollierten die Zufahrten zum Ort und verwehrten Sicherheitskräften den Zugang.

Polizeieinsatz in LazaratDoch auch in Albanien ändern sich die Zeiten: 2013 wurde die alte Regierung abgelöst, die neue Regierung strebt in die EU. Am frühen Morgen des 16. Juni 2014 begann die albanische Polizei, dem Drogen-Spuk ein Ende zu bereiten und die staatliche Ordnung wiederherzustellen. Rund 900 Polizisten und Spezialeinheiten mit kugelsicheren Westen und gepanzerten Fahrzeugen kreisten das Dorf ein. Die Drogenbosse leisteten mit Maschinengewehren, Panzerfäusten und Granaten heftigen Widerstand. Innerhalb von vier Tagen wurden nach Angaben der Polizei 6 Personen festgenommen, 12 Tonnen Haschisch und 80.000 Cannabis-Pflanzen zerstört; zwei Labors wurden entdeckt und „erhebliche Mengen“ an Munition sichergestellt. Der Konflikt schwelt noch immer.

 

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