Ein Jahr Internat in Bishnica

Datum:  |  Autor: Claudia Hanisch / CHW

Seit Sommer 1999 gibt es in dem kleinen Bergdorf Jolle nur noch eine Grundschule, die Klassen fünf bis acht wurden in das nächstgrößere Dorf Bishnica verlegt, das zwei Fußstunden entfernt ist. Schulbus und funktionsfähige Straße gibt es nicht, so dass den Kindern keine Möglichkeit zum Schulbesuch blieb. Da konnten die Mitarbeiter des Christlichen Hilfsvereins Wismar (CHW) abhelfen, denn ihre Hilfsstation in Bishnica liegt direkt gegenüber der Achtklassenschule. Sie richteten kurzfristig in zwei freien Wohnungen ein Internat ein.

„Schule und Bildung werden in vielen Familien aufgrund der harten Feldarbeit und der fehlenden Möglichkeiten vernachlässigt“, sagt die Erzieherin Ulrike Herrmann, die das Internat mit aufgebaut hat. „Würden wir den Kindern aus Jolle keine Perspektive bieten, blieben viele ohne Abschluss, und noch schlimmer: Sie würden nicht einmal die Grundkenntnisse richtig beherrschen.“

Spontane Soforthilfe

Beim Einrichten der Räumlichkeiten halfen alle mit: Betten und Matratzen wurden aus den verbliebenen Beständen für die inzwischen zurückgekehrten Kosovoflüchtlinge besorgt. Ein Tischler aus Jolle, selbst Vater eines der betroffenen Kinder, baute Regale. Die Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Gemeinde vor Ort erklärten sich bereit, in der Küche und bei den Hausaufgaben zu helfen. So konnte das Internat im Mitte September 1999 seinen Betrieb aufnehmen. Elf der zwölf Plätze wurden besetzt und zwei Mitarbeiter zur Betreuung der Kinder angestellt. Verwaltung und Organisation leisteten die Mitarbeiter des CHW, kräftig unterstützt durch Hilfe aus Deutschland. Im Laufe des Schuljahres wurde dem Internat eine dritte Wohnung angegliedert.

„Den Kindern hat der Aufenthalt im Internat sehr gut getan, besonders was ihre schulischen Leistungen betrifft“, meint Tefta Topalli, die ihren Job als Lehrerin in Jolle verloren hatte und jetzt die Mädchen im Internat betreut. „Durch die tägliche Hausaufgabenbetreuung und Nacharbeit des Unterrichts konnten wir Leseschwächen und Wissenslücken beseitigen. Es hilft ihnen viel, wenn sie sich zur Nacharbeit des Unterrichts hinsetzen müssen und auch mal nachfragen können. Wir haben kleine Lerngruppen gebildet, so dass sie sich gegenseitig unterstützen können. Das macht ihnen und uns Freude“, betont Frau Topalli.

Ausbau nach einem Jahr Internatsbetrieb

Während der schulfreien Zeit im Sommer 2000 konnte in den Internatsräumen vieles verbessert und grundlegend renoviert werden. Es wurden neue Sanitäranlagen installiert und Heißwasserboiler angeschlossen, so dass die Kinder im kommenden Jahr auch Duschen benutzen können. „Wir haben jetzt eine richtige Küche eingerichtet“, erklärt Përparim Kasmollari, der als Betreuer für die Jungen angestellt ist und auch in der Küche mitarbeitet. „Endlich haben wir eine Spüle, mehrere Schränke und einen Gasherd. Bis jetzt war das alles ein Provisorium. Wir haben auf einem zweiflammigen Gaskocher für 15 Leute kochen müssen und in Schüsseln abgewaschen. Das heiße Wasser mussten wir uns aus der unteren Etage mit Eimern holen“, beschreibt er die Zustände des letzten Jahres.

Bis Mitte September laufen die letzten Vorbereitungen für das neue Schuljahr, und die Mitarbeiter engagieren sich sehr, das Internats-Ambiente für die Kinder noch schöner und wohnlicher zu gestalten. „Viele der Eltern schauen dem Internatsbeginn mit Neugierde und Freude entgegen“, freut sich Ylli Anastasi, der Verwaltungsleiter für die Hilfsstation in Bishnica. „Denn die Lebensbedingungen im Internat sind für die Kinder durch die Neuerungen um vieles besser als zu Hausse.“ Zu den Finanzen sagt er: „Da die Eltern der Schüler sehr arm sind, haben wir den Internatsbeitrag niedrig angesetzt: Mit umgerechnet 20 Mark im Monat, die wir pro Kind verlangen, werden etwas weniger als die Hälfte der Lebensmittelausgaben gedeckt. Alle anderen Kosten müssen über Spenden finanziert werden.“

Wer will mithelfen, den Schülern aus dem abgelegenen Dorf Jolle auch dieses Jahr einen Internatsplatz zu ermöglichen? Eine regelmäßige Spende kann uns und den Kindern.

Claudia Hanisch

 

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