Ein Staat im Wandel

Datum:  |  Autor: Ingmar Bartsch / CHW

Im ersten Jahrtausend vor Christus siedelten in Albanien Illyrer, die bald unter griechische und später unter römische Herrschaft fielen. Wichtig wurde die Region durch die Via Egnatia. Sie verband Rom mit Konstantinopel und führte mitten durch das Land der Skipetaren (Adlermenschen), wie die Albaner sich selbst nennen. Durch die ausgeprägte Berglandschaft waren die Bewohner Albaniens meist Hirten und Bauern, die vom Rest der Welt wenig sahen und wussten.

Im Jahr 1385 brachten die Türken Albanien unter ihre Herrschaft. Immer wieder gab es Aufstände gegen die Besatzer. Meist wurden sie blutig niedergeschlagen. 1443 allerdings waren die Albaner unter Georg Kastrioti, der Skanderbeg genannt wird, siegreich. Wegen seiner Erfolge gegen die Türken wird er noch heute als Nationalheld gefeiert und verehrt. Mit dem Tod Skanderbegs 1468 konnten die Türken die Herrschaft zurückgewinnen. Mit einer Ausnahme Ende des 18. Jahrhunderts herrschten die Türken bis 1912.

Die traditionelle Tracht wird heute nur noch zu ganz besonderen Anlässen getragen

Die traditionelle Tracht wird heute nur noch zu ganz besonderen Anlässen getragen  (Foto: Nikolin Baba)

Eine Nation entsteht

Im 19. Jahrhundert entstand in Albanien eine starke Nationalbewegung. Die Bevölkerung forderte albanische Schulen und Bücher in albanischer Sprache. Am 28. November 1912 erklärte eine Gruppe albanischer Intellektueller unter großem Jubel die Unabhängigkeit Albaniens.

Schon bei seiner Gründung gab es Streitigkeiten über die Ausdehnung des Staates. Die Griechen beanspruchten den südlichen Teil des Gebietes, in dem eine griechisch-orthodoxe Minderheit lebt. Einige Gebiete im Osten wurden von den Mazedoniern beansprucht. Die Serben meldeten Ansprüche auf den Kosovo an. 1913 beschloss die Londoner Botschafterkonferenz eine Kompromisslösung, sodass es nie zu einem Großalbanien kam. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es mehrere Wechsel an der Staatsspitze und das Land wurde oft von anderen Mächten wie Italien und Deutschland besetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam in Albanien eine kommunistische Regierung unter Enver Hoxha an die Macht. Diese brach in den 50er-Jahren mit Russland, Ende der 70er-Jahre auch mit China, bis Albanien völlig isoliert war. Enver Hoxha machte Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt und verbot fast jegliches privates Eigentum. Eine vom Staat durchaus gewollte Bevölkerungsexplosion verknappte den Wohnraum. Nach anfänglichen Erfolgen konnte Albanien der wirtschaftlichen Entwicklung Europas nicht folgen.

Spuren der Krise

Nach der politischen Wende 1990/91 stand Albanien vor dem Chaos. Die Bevölkerung zerstörte in blinder Wut die Gebäude der Städte und Kommunen und somit auch die Grundlage für einen wirtschaftlichen Neuanfang.

Aus den Wahlen 1992 gingen die Demokraten siegreich hervor und es kam zu einem leichten Aufschwung. Viele Albaner ließen sich jedoch von Firmen blenden, die für Anleihen sehr hohe Zinsen versprachen. Manche Familien verkauften alles Hab und Gut, in der Hoffnung auf großen Reichtum. Als 1997 die Firmen bankrott waren, kam es zu Aufständen und zu Plünderungen. Die demokratische Regierung wurde für die Misere verantwortlich gemacht und verlor die Wahl an die sozialistische Partei.

Die Krise hat in Albanien tiefe Spuren hinterlassen. Noch immer leiden die Menschen unter Armut, vor allem in den ländlichen Regionen.

Ingmar Bartsch

 

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