Es geht (langsam) voran in Albanien

Datum:  |  Autor: CHW

Ende Juni traf sich der Vorstand des CHW mit unseren Mitarbeitern in Albanien und machte sich vor Ort ein Bild vom Stand der Arbeit. Schatzmeister Helmut Specht kennt das Land schon lange: Er war bereits im Januar 1978, während der Diktatur von Enver Hoxha, geschäftlich in Tirana und unterstützte Anfang der Neunziger die Gründung der Albanienhilfe. Er berichtet über die Reise und darüber, was sich seit seinem letzten Besuch vor drei Jahren verändert hat.

Es war eine kurze Reise, aber mit vielen Begegnungen und Eindrücken. Am 25. Juni flog ich (natürlich auf eigene Kosten) nach Tirana. Dort fand bereits am Nachmittag in den Räumen der Evangelischen Allianz (VUSH) der erste wichtige Termin statt. In unserer Sitzung wählten wir einen neuen Aufsichtsrat für die Diakonia Albania, dem jetzt neben Frieder Weinhold zwei Albaner angehören: Akil Pano, Generalsekretär der VUSH, sowie Sotiraq Tasi Mangëri als Vertreter der Stadtverwaltung Pogradec – ein wichtiger Schritt zu unserem Ziel, dass die Albanaer mehr und mehr in die Arbeit eingebunden sind und Verantwortung dafür übernehmen.

Unterwegs über Stock und Stein

Nach einer Nachtfahrt, gut durchgerüttelt durch 20 km Baustelle vor Pogradec, kamen wir um 02:30 Uhr in unserer neuen Teamwohnung an. Die Räume dort mit Büro, Küche/Essraum und mehreren Schlafräumen sind ein großer Segen. Sie sind eine feste Anlaufstelle für Mitarbeiter, Partner und Einsatzteams. Außerdem sparen wir erhebliche Kosten für Hotels und Restaurantbesuche, und auch unsere Mitarbeiterin Manjola Lushka hat in dem Haus eine Unterkunft, so dass sie immer „vor Ort“ ist.

Am nächsten Morgen brachen wir auf zu den Bergdörfern der Mokra-Region. Zuerst besuchten wir in der Kommune Velçan den Bürgermeister Ilia Mani, mit dem uns eine sehr lange Zusammenarbeit verbindet. Wir wurden mit der üblichen albanischen Gastfreundschaft begrüßt. In dem Ort, wo wir auch bei der Sanierung und Möblierung der Schule geholfen hatten, wird gerade die Hauptstraße neu gemacht: mit Bürgersteig und Straßenlampen – ein ungewohnter Anblick. Die Wasserversorgung ist jedoch immer noch ein Problem, die Feuerwehr hat kein Wasser zum Löschen zur Verfügung. Auch das Müllproblem ist noch nicht gelöst.

Zur Kommune Velçan gehören mehrere Dörfer mit insgesamt 3.800 Bewohnern, darunter auch Bishnica. Dorthin fuhren wir anschließend weiter und kamen auch gut an. Es ist ein Problem, dass die „Straßen“-Verhältnisse so katastrophal sind, weil dadurch die Versorgung der Bergdörfer sehr erschwert wird. Für unsere Fahrzeuge ist es natürlich auch eine große Belastung, die immer wieder zu hohen Reparaturkosten führt.

Fortschritte mit Hilfe des CHW

Bei meinem letzten Besuch in Bishnica war die Schule fast fertig gestellt. Nun konnten wir sie erneut besichtigen. Sie ist ein großer Segen für die Familien des Orts und auch für noch weiter abgelegene Dörfer wie Jolle – dank unseres Schülerwohnheims, das gleich gegenüber liegt. Da gerade die Schulferien begonnen hatten, waren die „Internats“-Kinder wieder bei ihren Eltern.

Als CHW-Vorstand nahmen wir uns ausführlich Zeit, um mit den albanischen Mitarbeitern alle anstehenden Fragen und Probleme zu besprechen. Mir wurde hierbei sehr deutlich, wie notwendig unsere Arbeit für die Menschen in den Bergdörfern ist und wie viele Familien wirklich Hilfe benötigen. Es gibt im Vergleich zu 2011 Fortschritte, aber es ist immer noch ein langer Weg, bis die Albaner auf eigenen Füßen stehen.

Nachmittags feierten wir im Nachbardorf Buzahishte einen Gottesdienst, an dem Jugendliche aus dem Ort teilnahmen. Seit dem Arbeitseinsatz im Januar/Februar führt unser Mitarbeiter Samuel Shkullaku dort regelmäßige Gottesdienste und Kindertreffen durch. Im Obergeschoss des Gebäudes ist nun unsere Pflegestation für ältere Menschen; auch dies ist ein Fortschritt – die bisherige Station war in sehr primitiven Räumlichkeiten untergebracht.

Blick nach vorne

Auf dem Rückweg machten wir Halt im Rathaus der Nachbarkommune Proptisht, wo Bürgermeister Fuat Fero und elf weitere Vertreter der Kommunalverwaltung uns bereits erwarteten. Auch für Proptisht ist der CHW ein wichtiger Partner: Im nächsten Monat wird mit unserer Hilfe an der Renovierung der Schule im Hauptort gearbeitet; außerdem soll eine neue kleine Schule für die Einwohner von drei weiter entlegenen Teilorten entstehen. Dafür haben wir Fördermittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit beantragt. Wenn das Projekt bewilligt wird, müssen auch die Kommune und wir als Hilfsverein einen Teil der Kosten übernehmen.

Seit Ende Juni hat Albanien den Status als EU-Kandidat. Bis das Land tatsächlich Mitglied wird und dann EU-Fördermittel zur Verfügung stehen, ist es aber noch ein sehr weiter Weg. Bis dahin sind wir gefordert, den Menschen der Region nach besten Kräften zur Seite zu stehen. Das betrifft besonders den Bereich der Schulbildung, aber auch andere soziale Bereiche, die nicht von der albanischen Regierung getragen werden.

Ihre Unterstützung dabei ist sehr wichtig und notwendig. Jeder Euro hilft!

Über Helmut Specht

Helmut Specht ist jetzt Privatmann, war Gründer und Inhaber einer Schiffsmaklerfirma in Hamburg. Er unterhielt viele Jahre Geschäftsbeziehungen auch zur Wismarer Werft. Er ist Mitglied der Gemeindeleitung der Hamburger Anskar-Gemeinde und ehrenamtlich in einigen Projekten engagiert, die eine Versöhnung nach dem Holocaust zum Thema haben.

Fotos: Matthias Pommranz, Hans Otto Weinhold

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