Es ist eine ganz andere Welt

Datum:  |  Autor: Claudia Hanisch / CHW

Bei Hilfstransporten dabei zu sein ist immer ein Abenteuer. Trotz guter Vorbereitungen kann nicht alles berechnet werden, und oft braucht man viel Geduld und einen klaren Kopf, um durchzukommen. Hier zwei Erlebnisberichte von Transporten aus diesem Jahr.

Schwarze Passagiere

Stefan Birkholz aus Witzin und Marco Gust aus Chemnitz haben zu Ostern diesen Jahres einen LKW mit Schulmöbeln nach Albanien gefahren. Ihr abenteuerlichstes Erlebnis:

„Auf der Rückfahrt haben wir die Fähre nicht gekriegt, weil die orthodoxen Griechen Ostern hatten und alle griechischen LKW auf einmal an dem Dienstag danach losfahren wollten. Die Fähre war also voll. Wir mussten noch einen Tag warten und wollten uns einen schönen Badetag an der Adria machen. Deshalb sind wir nochmal aus dem Hafengelände rausgefahren in Richtung Berge, als wir auf einmal ein komisches Geräusch von hinten hörten. Wir hatten schon Angst, da ist etwas kaputt, bis wir gemerkt haben, dass da Leute aufgestiegen waren – kosovarische Flüchtlinge. Was tun? Wir sind erstmal ohne Stopp weitergefahren, weil sie so oben bleiben mussten. Dabei haben wir überlegt, was wir machen. Wenn wir zurück zur Hafenpolizei fahren, halten sie uns vielleicht für Schleuser. Doch irgendwie mussten wir sie ja raus kriegen. Also haben wir angehalten und mit einem Mal die Plane aufgemacht. Wir wussten ja auch nicht, wie viele das waren. Einen nach dem anderen haben wir dann runtergeholt. Das war ein ganz schöner Nervenkitzel für uns, aber es ist gut gegangen – und der Badetag war am Ende auch noch schön.“

Zollprobleme

Günter Büchse berichtet von einer Fahrt in den Kosovo vom März 2000. Gemeinsam mit Christof Fritsch bringt er ein Feuerwehrfahrzeug nach Malisheva. Begleitet werden sie von Jewgenij, einem lettischen Fahrer mit seinem LKW:

„Grenzübergang Griechenland – Mazedonien. Es ist eine ganz andere Welt. Mit den Grenzern haben wir ein Problem: Unser Kraftfahrzeugbrief alleine reicht für die Durchfahrt nicht aus. Auf Grund der Schenkungsurkunde für den Kosovo und dem darin festgehaltenen Wert des Feuerwehrfahrzeugs von 6000 DM verlangen die Mazedonier 3000 DM Kaution, die wir natürlich nicht haben und auch nicht zahlen wollen. Man beachtet uns in den Büros nicht mehr. Wir gehen zum Zoll und diskutieren mit ihnen, aber sie wollen weder Deutsch noch Russisch verstehen und meinen, wir sollen Englisch reden. Nach dem Angebot von Jewgenij, sein Chef in Deutschland könne Englisch und er würde per Handy mit ihm sprechen. Sie vertrösten uns auf den nächsten Morgen, dann kommt ein Beamter, der Englisch kann.

Wir verlassen erst mal die Büros und beraten uns. Wir rufen Thomas in Deutschland an, um das Problem mit ihm zu besprechen. Von der Polizei bekommen wir Order, die Zollstelle mit unserem Fahrzeug zu verlassen und an der Seite zu parken. Wir sind am Überlegen, was wir tun könnten.

Inzwischen sind einige Stunden vergangen und es beginnt kalt zu werden, kalt und dunkel. Wir beschließen, noch einmal zum Zoll zu gehen, um von den Grenzern zu erfahren, was sie eigentlich genau von uns wollen und was wir tun müssen, um die Grenze passieren zu können, ohne 3000 DM Kaution zu bezahlen. Bei den Zöllnern ist inzwischen eigenartigerweise eine Sinneswandlung von statten gegangen. Sie verstehen auf einmal russisch und sind freundlich. Wir hatten das Begleitschreiben von der K-FOR vorgelegt und haben zu verstehen gegeben, daß wir keine 3000 DM haben. Zum Schluss haben wir uns auf 100 DM für die Durchfahrt geeinigt, und wir können nach der Ausstellung der Papiere problemlos fahren.

Wir gehen wieder in die Speditionsbüros, aber keiner will uns dort etwas ausstellen, mit dem Hinweis, sie würden nur 200 DM verdienen, die Zöllner aber 1000 DM. Jewgenij und ich lassen nicht locker und diskutieren mit dem Beamten hoch und runter, immer im freundlichen Ton. Nach einer weiteren Stunde findet Jewgenij einen mazedonischen Kraftfahrer, der perfekt Deutsch spricht. Ihm erklären wir alles noch einmal und gehen mit ihm zum Zoll. Dort wird trotz vorheriger Absprache alles noch einmal gründlich studiert, mit dem Ergebnis, daß die Papiere dreimal geschrieben werden. Der Beamte an der Schreibmaschine ist schon sauer.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Jewgenij muss vorfahren und alle Planen öffnen, danach Christof alle Türen von der Feuerwehr. Es gibt das OK und wir fahren nach Mazedonien ein.“

Herzlichen Dank

Wir danken allen freiwilligen Helfern, Unterstützern und Fahrern, die solche Hilfstransporte möglich machen. Trotz mancher Widerwärtigkeiten kommt die Hilfe an – wie jetzt die Schulmöbel für die Schulen der Kommune Velcan in der albanischen Bergregion um Bishnica.

aufgeschrieben von Claudia Hanisch

 

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