Freunde in den Bergen – Teil 3

Datum:  |  Autor: CHW

Leben in der Stadt und auf dem Land

Bis 1945 war Albanien ein reines Agrarland. Die Städte waren relativ klein; dort wohnten Händler, Bildungsbürger und diejenigen, die mit der Verwaltung zu tun hatten. Stadtmenschen fühlten sich den meist analphabetisch lebenden Dorfbewohnern, die abfällig „Fshatari“ (Dörfler) genannt wurden, überlegen. Dort regierte noch lange das mündlich überlieferte Recht der Albaner, der „Kanun“.

Grundlage des Kanuns ist das Leben in der Großfamilie, in der normalerweise drei Generationen unter einem Dach wohnen, mit dem ältesten Mann als Anführer. Der Kanun regelt die Bereiche Schuldrecht, Ehe- und Erbrecht, Strafrecht sowie Kirchen-, Landwirtschafts-, Fischerei- und Jagdrecht. Mittlerweile sind viele dieser Regeln verlorengegangen; die Blut­rache, die im Stalinismus verboten war, wurde danach teilweise wieder praktiziert. Außerdem ist heute noch zu beobachten, dass es immer wieder zu Konflikten zwischen modernen Gesetzen und den tief verwurzelten Regeln des Kanun kommt; insbesondere die „Ehre“ spielt im Denken der Albaner immer noch eine sehr große Rolle.

Während der jahrhundertelangen Fremdherrschaft und den wechselnden politischen Systemen war die Familie das einzige, was den Menschen Halt und Sicherheit gab. In der Zeit des Stalinismus war Abtreibung verboten und die Bevölkerung verdreifachte sich innerhalb von knapp fünf Jahrzehnten. Heute gibt es weniger Kinder, die albanische Gesellschaft ist aber immer noch sehr kinderfreundlich.

Im stalinistischen System war auch der Wohnort vorgeschrieben. Nach der politischen Wende boten die ländlichen Gegenden vielen Familien keine Arbeit und keine Perspektive mehr. Zusätzlich zur Emigration vieler Albaner setzte eine starke Landflucht ein; inzwischen wohnt die Mehrheit der Bevölkerung in Städten. Am Rande der großen Städte sind Slums und illegale Wohngebiete entstanden, die viele Probleme mit sich bringen.

 

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