Frieder Weinhold erhält das Bundesverdienstkreuz

Datum:  |  Autor: Dr. Harald Ringstorff / CHW

Anlässlich des „Tages des Ehrenamtes“ am 9. Dezember 2004 verlieh der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Harald Ringstorff, an Frieder Weinhold das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Hier ein Auszug aus seiner Ansprache.

Herzlich willkommen Ihnen allen zu diesem freudigen Anlass in der Staatskanzlei unseres Landes! Ich habe die Ehre und angenehme Aufgabe, Ihnen, lieber Herr Pastor Weinhold, heute im Namen des Herrn Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszuhändigen!

Ihre Auszeichnung erfolgt anlässlich des „Tages des Ehrenamtes” 2004. Denn Ihre Verdienste haben Sie ehrenamtlich, neben Familie und Beruf, über Jahrzehnte erworben! Damit haben Sie eine Belastung und ein Pensum auf sich genommen, das in der Regel nicht in volks- oder betriebswirtschaftlichen Statistiken erscheint. Dennoch möchte ich die Leistungen, die in Deutschland von Menschen wie Ihnen tagein und tagaus, über Jahre und Jahrzehnte hinweg, erbracht werden, als das „unsichtbare Rückgrat unserer Gesellschaft” bezeichnen. Ohne diese Leistungen wäre unser Land mit Sicherheit um einiges materiell ärmer – ganz gewiss aber arm an Idealismus, arm an Motivation, Lebensfreude, Menschlichkeit und Wärme!

Sie, lieber Herr Pastor Weinhold, haben diese Menschlichkeit über viele Jahre vorbildlich gelebt. Heute dürfen Sie dafür den Dank der Öffentlichkeit, den Dank des Staates, entgegennehmen.

Sehr geehrter Herr Pastor Weinhold,

wie Frau Simon waren und sind auch Sie als Vater von fünf Kindern und mit Ihrem Beruf sicher mehr als ausgelastet. Doch auch Sie hinderte diese Tatsache nicht daran, sich nach Kräften ehrenamtlich weiteren sozialen Aufgaben zu widmen.

Sie gründeten Anfang der 90er Jahre den Christlichen Hilfsverein Wismar e. V. und sind seither auch dessen Vorsitzender. Der Verein leistet vorrangig Hilfe in Albanien und Mazedonien sowie auf den Philippinen. Unter Ihrer Regie wurden seit dem Frühjahr 1992 zum Teil mehrmals im Jahr Hilfsgüter in die Region um Pogradec im Südosten Albaniens nahe der mazedonischen Grenze gebracht. Damit verbesserten sich in dieser abgelegenen und armen Bergregion die Lebensbedingungen, ja die Überlebenschancen der von Krieg und Mangel bedrohten Menschen. Vor allem den zeitweise über 2.000 Bewohnern der dortigen Flüchtlingslager stellte Ihr Verein Lebensmittel wie Mehl, Nudeln, Zucker, Trockenmilch, aber auch Matratzen, Decken, Bekleidung, Medikamente sowie medizinisches Gerät zur Verfügung. Bisher verschickte Ihr Verein über 200 Tonnen Hilfsgüter. Auch konnte 1998 das Dach einer Krankenstation in dem Bergdorf Bishnica durch Spendenmittel, die Ihr Verein sammelte, neu gedeckt werden.

Hervorzuheben ist, dass Sie bei der Planung und Durchführung Ihrer Hilfslieferungen immer Wert auf den Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe legten. Auch stand immer die Bemühung um Versöhnung und Völkerverständigung im Vordergrund. Im Sommer 2000 besuchten Sie mit dem estnischen Chor „Credo” Albanien und Mazedonien und unter anderem traten Sie in Prishtina, der Hauptstadt des Kosovo und in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, auf. Im Rahmen dieser Reise übergaben Sie nicht nur Geschenke und weitere Hilfslieferungen aus Wismar, sondern setzten sich auch für die Begegnung und Verständigung junger Leuten aus verfeindeten Nationalitäten ein.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins ist die Jugendarbeit in der Hansestadt Wismar. 1998 eröffneten Sie dort einen Jugendtreff, der sich inzwischen unter einem Dach mit der Gemeinde der evangelisch-methodistischen Kirche befindet. Mit diesem Jugendhaus wollten Sie einen Anlaufpunkt für Jugendliche schaffen, nachdem der Jugendclub in einem größeren Wohngebiet geschlossen worden war. Dieses Haus steht auch Menschen, die keiner Kirche angehören, und Nichtgläubigen offen und versteht sich in erster Linie und ganz bewusst als Begegnungsstätte für deutsche und ausländische Jugendliche, um gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu fördern und Ausländerfeindlichkeit zu bekämpfen.

Sehr geehrter Herr Pastor Weinhold, in über zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit haben Sie sich um unsere einheimische Jugend, aber auch um den Frieden zwischen den Nationen und die Völkerverständigung verdient gemacht. Die Leistungen des von Ihnen gegründeten und geführten Christlichen Hilfsvereins sind beeindruckend. Auch wenn Sie ohne die Hilfe der Mitglieder und Spendenfreudigkeit der Wismarer Bürger nicht denkbar gewesen wären, so waren Sie doch stets die treibende Kraft und der Ideengeber, der alle Beteiligten immer wieder motivieren und anspornen konnte!

Ich freue mich, Ihnen heute im Namen des Herrn Bundespräsidenten anlässlich des „Tages des Ehrenamtes” 2004 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichen zu dürfen. Ich gratuliere Ihnen herzlich zu dieser Auszeichnung und danke Ihnen für Ihre Arbeit!

Heute ist ein Tag des Lobes, des Dankes und der Freude!

Um das Maß voll zu machen, möchte ich auch an diejenigen im Hintergrund erinnern, die Sie unterstützt und begleitet, die Sie vielleicht immer wieder ermuntert haben weiter zu machen und nicht nachzulassen: Ihre Partnerinnen und Partner, Ihre Familienangehörigen, Ihre Verwandten und Freunde. Auch Ihnen herzlichen Dank.

In Ihrem Denken und Handeln waren und sind Sie Vorbild für andere, leuchtende Wegmarken auf unserem Pfad und ich wünsche mir, dass Sie viele Nachahmer finden, gerade in der jungen Generation. Sie kennen das Sprichwort: „Worte belehren, Vorbilder ziehen mit. Gerade der jungen Generation sei Ihr Leben und Tun Beispiel und Vorbild! Sie haben gezeigt, was man bewirken kann, wenn man das Leben mutig und tatkräftig angeht, wenn man sich Ziele setzt und wenn man diese Ziele beharrlich und über lange Jahre verfolgt, wenn man über den doch manchmal recht engen Horizont der Alltagssorgen, der eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume hinaus denkt – und vor allem hinaus handelt! Ich wünsche mir, gerade anlässlich des „Tages des Ehrenamtes”, dass viele Bürgerinnen und Bürger unseres Landes Ihrem Beispiel folgen und sich engagieren. Denn die heutige Zeit, hier sind wir uns einig, erfordert erhöhtes Engagement von uns allen!

Mit Ihnen und dem ganzen Land freue ich mich über Ihre heutigen Auszeichnungen. Noch einmal gratuliere ich Ihnen sehr herzlich, danke Ihnen im Namen des Landes und wünsche Ihnen nun einen schönen Tag. Feiern Sie mit Ihren Familien, Ihren Angehörigen, Ihren Freunden! Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute, Gesundheit und Glück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

.