Fünf Jahre Hilfsstation Bishnica

Datum:  |  Autor: Claudia Hanisch / CHW

„Es ist, wenn es sich einrichten lässt, sehr viel besser, den Armen die Hilfe persönlich zu bringen, als sie ihnen zu schicken. Das gilt für beide Seiten, für uns und für sie: für sie, weil es für sie wohltuender ist und weil wir sie dann in geistlichen wie in materiellen Dingen unterstützen können; für uns, weil es viel besser unsere Herzen für sie erwärmen kann und uns dazu bringt, viel selbstständiger füreinander zu sorgen.“

Diese Worte von John Wesley, dem Vater der Methodisten, drücken die Motivation aus, mit der eine Handvoll engagierter Leute aus Wismar und Umgebung 1992 an die Albanienarbeit gingen. Obwohl sie im Nordosten des gerade vereinigten Deutschlands selbst mit den Schwierigkeiten des Neuanfangs zu kämpfen hatten, machten sie die Berichte von der großen Armut in Albanien betroffen. Sie wollten helfen, aber nicht nur von außen und über andere.

Den Menschen, die in Not sind, persönlich zu begegnen und ihnen zeigen, dass sie nicht vergessen werden, war und ist die Motivation der Albanienhilfe Wismar. Mit der Zeit spürten die Mitarbeiter der Albanienhilfe, dass ihr Kommen zweimal jährlich zu wenig ist, um den Menschen in ihren alltäglichen Schwierigkeiten auf die Beine zu helfen. Albanien hatte Entwicklungsarbeit in fast jeder Hinsicht nötig: Die Wirtschaft lag am Boden, die Arbeitslosenzahlen stiegen, Schulen und Kindergärten waren in denkbar schlechtem Zustand. Hoffnungslosigkeit machte sich gerade in den Bergdörfern breit. Also wurden Entwicklungshelfer gesucht, die in das Dorf Bishnica ziehen und die Bevölkerung dort kontinuierlich betreuen würden.

Den Menschen in Not zeigen, dass sie nicht vergessen werden

Seit 1997 gibt es ein Team in dem Bergdorf Bishnica, das diese Arbeit tut. Albaner und Deutsche haben es sich gemeinsam zur Aufgabe gemacht, den Menschen in der sonst so unbeachteten Bergregion zu dienen. Das heißt als Erstes voneinander zu lernen anstatt mit fertigen Lösungen zu kommen.

Von Anfang an kümmerten sich die Helfer um medizinische Notfälle in der abgelegenen Region. Da die Station des Christlichen Hilfsvereins Wismar über (fast) immer einsatzbereite Fahrzeuge verfügt und die Mitarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar sind, haben schon viele Menschen an ihre Tür geklopft, um Hilfe für ihre Angehörigen in lebensbedrohlichen Situationen zu bekommen. Auf so einer eiligen Fahrt in das nächste Krankenhaus erblickte sogar ein Mädchen im Geländewagen des Christlichen Hilfsvereins Wismar das Licht der Welt.

In Eigeninitiative errichten die Bauern des Dorfes Buzahishte, dem Nachbarort von Bishnica, ein Sozial- und Kirchengebäude. Auch sie werden von den Mitarbeitern des CHW betreut. (Foto:
Michael Hanisch)

Inzwischen gibt es ein eigenes Ambulanzfahrzeug und einen Fahrer aus Bishnica, der die Notfälle fährt und die Ärztin des Dorfes zu ihren Visiten begleitet. Außerdem unterhält der CHW ein kleines Internat für Zehn- bis Vierzehnjährige, die in ihrem Heimatort keine Möglichkeit mehr haben, eine Schule zu besuchen. Es gibt Gesprächskreise und Armenhilfen, einen CHW-eigenen Saal für soziale Aktivitäten, Schulreparaturen und die flächendeckende Ausstattung der Bildungseinrichtungen mit Möbeln aus Deutschland. Das neueste Projekt soll in Richtung medizinischer Betreuung gehen.

Das Stations-Team 2002 (vlnr): Ylli Anastasi, Urim Gjona, Michael und Claudia Hanisch, Perparim Kasmollari und Tefta Topalli. (Foto: Maja Prifti)

Impulse für das gesellschaftliche Leben gegeben

Mittlerweile gibt es die Hilfsstation seit fünf Jahren in Bishnica. Das hat wichtige Impulse in das gesellschaftliche Leben der Bergregion gebracht, angefangen von der ideellen Aufwertung der Dörfer, weil wieder in sie investiert wird, über die Verbesserung der Infrastruktur (ein Straßenbaufahrzeug für die Kommune, Elektroinstallation, Krankenhausreparatur und vieles mehr) bis hin zu Sprachunterricht und der Erhaltung der ländlichen Kultur durch die Gründung einer Folkloregruppe.

Das alles ist möglich geworden, weil ein paar Menschen begonnen haben, die Hilfsgüter für Albanien zusammen mit ihrer persönlichen Anteilnahme an der dortigen Situation „eigenhändig“ zu überbringen. Das hat Rückwirkungen auf Albanien und Deutschland, „weil es viel besser unsere Herzen für sie erwärmen kann und uns dazu bringt, viel selbstständiger füreinander zu sorgen“.

Claudia Hanisch

 

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