„Goldene Chance“ im Internat für Schulkinder in Bishnica

Datum:  |  Autor: Doris Weinhold

Er ist ein stiller, schüchterner Junge. Mit seinen beiden Brüdern, den Eltern und Großeltern wohnt er in dem Dorf ­Buzahishtë und besucht dort die Grundschule. Seine schulischen Leistungen sind nicht besonders gut. Das unterscheidet ihn von seinen ­Freunden. Immer mehr fühlt er sich in die Ecke gedrängt. Seine Lust am Lernen ist gering. Sein Selbstwertgefühl geht in die Brüche, ­genauso wie ­seine sozialen Kontakte.

Das war Sokol Karasliu in den 90iger Jahren. Dann hörten seine Eltern von unserem Internat für Schulkinder in Bishnica, das gerade den Betrieb aufgenommen hatte. „Die goldene Chance“, so wurde es inzwischen von den Dorfbewohnern genannt, deren schulische Einrichtungen aufgrund geringer Einwohnerzahlen geschlossen worden waren.

Zusätzlich zum Besuch der öffentlichen Schule erhalten die Kinder im Internat individuelle Lernbetreuung

Sokols Eltern wollten ihrem Sohn eine bessere Bildung ermöglichen, deshalb meldeten sie ihn im Internat an. 1998, ein Jahr nach der Gründung, begann für Sokol das gemeinsame Leben mit anderen Kindern und Erziehern, immer von Sonntagabend bis Freitag.

Seinen Aufenthalt dort hatte er freudig erwartet. Er berichtet selbst: „Mehr als die Möglichkeit der Schulbildung war für mich das Leben in der Gruppe mit den anderen Kindern interessant. Dass dieses Leben anders als mein bisheriges verlief, war für mich wie ein Wecken meines bis dahin ungeformten Charakters und eine Ermutigung, das Leben mit Optimismus zu sehen.“

Während Sokol nun die achtjährige Grundschule durchlief, wurden bei ihm deutliche Veränderungen sichtbar. Sein Sozial­verhalten besserte sich, er konnte sich gut in die Gruppe einfügen und bekam viele Freunde. Er hatte das Lesen gelernt, schrieb besser als seine Freunde und gab sich seinem ungebremsten Wissensdrang hin. In den Kinderstunden der neu gegründeten Kirchengemeinde lernte er Gott und Jesus Christus kennen und ließ sich taufen.

Sokol Karasliu heute mit Blerta, seiner Frau

Voller Dankbarkeit blickt er heute auf diese Zeit zurück. Er hält noch immer Kontakt zur Gemeinde, nun in der Stadt Pogradec, in die seine Familie nach Beendigung seiner Schulzeit zog. Dort konnte er das berufsorientierte Gymnasium der Fachrichtung „Hotellerie und Tourismus“ besuchen. Danach begann er mit einem Teilzeit-Studium an der Fakultät für Wirtschaft und Tourismus der Universität Korça in Pogradec. Neben dem Studium arbeitet er als Kellner in einem Restaurant.

Als eines der wichtigsten Dinge in seinem Leben betrachtet er die Familie, für die er nun sorgen kann. Zusammen mit seiner Frau Blerta bewohnt er eine kleine Wohnung in Pogradec.

Sehr dankbar ist Sokol für seine Jahre im Internat, die er als Zeit des Erwachens und der geistlichen In­spiration sieht – sozusagen als goldene Chance, da anzukommen, wo er heute ist. Hiermit bedankt er sich bei allen, die ihm das ermöglicht haben und wünscht ihnen Gottes Segen.

Doris Weinhold, mit Unterstützung von Manjola Lushka

 

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