Große Geschichte der Nächstenliebe

Datum:  |  Autor: OSTSEE-ZEITUNG

Die Albanienhilfe Wismar besteht seit 20 Jahren. Am Sonnabend wurde gefeiert, auch mit Gästen vom Balkan.

Wismar – Vor dem Wismarer Rathaus klicken viele Fotoapparate, denn junge Leute aus Albanien zeigen Volkstänze. Bashkim Lilo spielt dazu auf einem Tamburin und Hekuran Pese (68) auf einer Gaida, einem Dudelsack aus Ziegenhaut. Pese und Elke Kaci, die aus Schwaben stammt, präsentierten stolz albanische Trachten.

Sie zeigten am Sonnabend albanische Volkstänze vor dem Wismarer Rathaus: Bashkim Lilo (mit Tamburin) , Jonida Veliu, Manjola Lushka, Hekuran Pese (mit einer Gaida, einem Dudelsack aus Ziegenhaut), Elke Kaci, Florie Gona und Nexhip Biba (v. l.). (Foto: Norbert Wiaterek)

Mitglieder der Albanienhilfe im Christlichen Hilfsverein Wismar (CHW) und viele Gäste feierten am Sonnabend im Bürgerschaftssaal das 20-jährige Bestehen der Albanienhilfe. Nicht nur Unterstützer aus Wismar und der Umgebung und Vertreter von Hilfsorganisationen erinnerten sich an die Anfänge im Jahr 1991 und die Hilfstransporte, die ab Februar 1992 starteten. Auch 22 albanische Frauen und Männer, darunter die Bürgermeister der Kommune Proptisht und von Pogradec, Fuat Fero und Artan Shkembi, sowie Leonard Berberi, der den CHW-Arbeitszweig in Albanien leitet, waren nach Wismar gekommen, um zu danken und über zukünftige Aufgaben nachzudenken.

„Mit den Jahren ist die Freundschaft auf beiden Seiten gewachsen. Und sie ist herzlich auf beiden Seiten“, freute sich Frieder Weinhold (58). Für die Albanienhilfe sei es wichtig, viele Menschen in die Arbeit mit einzubeziehen. „Wir haben Grenzen übersprungen und können jetzt gemeinsame Projekte realisieren“, so der CHW-Vorsitzende aus Wismar vor etwa 200 Zuhörern. „Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen.“

Artan Shkembi dankte für die Hilfe aus Deutschland in einer der ärmsten Regionen des Balkanlandes. Sein Amtskollege aus Proptisht meinte: „Es gab Momente in Albanien, da sah es aus, als sei alle Hoffnung verloren. Überall fehlte es an wichtigen Dingen. Doch uns wurde eine warme Hand aus Deutschland gereicht und die ersten Hilfstransporte weckten wieder unsere Hoffnung. Viele Projekte konnten wir schon erfolgreich abschließen. Aber viel ist auch noch zu tun.“

Viele Menschen in den albanischen Bergdörfern leben noch immer unter schwierigen Bedingungen. „Sie haben Mühe, aufgrund fehlender oder schlechter Straßen in die Städte zu kommen. Und ihnen fehlen oft die alltäglichen Dinge zum Leben. Aber auch dank der Unterstützung aus Wismar geht es den Leuten in der Mokra-Region jetzt schon besser“, schätzte Herolinda Shkullaku von der Hilfsorganisation Nehemia in Pogradec ein. Nehemia arbeitet eng mit der Albanienhilfe im CHW zusammen. „Gut, dass die Unterstützung direkt bei den Betroffenen ankommt. Hilfe wird aber nach wie vor gebraucht“, sagte die junge Albanerin.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer lobte das bürgerschaftliche Engagement in der Hansestadt. Es sei wichtig, von den Schwierigkeiten in Albanien zu hören und zu wissen, dass die Hilfe auch wirklich vor Ort ankomme. Der CHW habe es geschafft, Selbsthilfekräfte zu entwickeln und die Albaner zu unterstützen, ohne auf sie herabzuschauen. „Heute ist daraus eine Partnerschaft und Freundschaft geworden.“ Laut Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, sei die Albanienhilfe Wismar ein gutes, aktuelles Beispiel für die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter, der nicht klagt, sondern konkret hilft. „Solche Einstellungen brauchen wir!“ Herolinda Shkullaku bekräftigte: Der CHW ist eine kleine, aber sehr wichtige Organisation, die einen großen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Albanien leistet. Dies ist eine große Geschichte der Nächstenliebe.“

Im Rathaus der Hansestadt Wismar waren nicht nur viele Dankesreden zu hören. Dort wurden unter anderem auch Filme und eine Ausstellung mit Fotos von Hilfstransporten und Projekten in der Mokra-Region gezeigt. Zum Programm gehörten ebenso Vorträge über die Entwicklung in Albanien und gestern ein Gottesdienst in der Neuen Kirche, bei dem Hartmut Steeb predigte.

Norbert Wiaterek
aus: OSTSEE-ZEITUNG Ausgabe Wismar, 07.11.2011

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