Hilfe für andere bestimmt sein Leben

Datum:  |  Autor: OSTSEE-ZEITUNG

Nach 24 Jahren verabschiedet sich der Pastor Frieder Weinhold morgen von seiner Kirchgemeinde in Wismar. Der Mensch Frieder Weinhold aber bleibt in Wismar.

Wismar – Frieder Weinhold, hauptamtlicher Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Wismar, geht. Frieder Weinhold, Vorsitzender des Christlichen Hilfsvereins Wismar e. V. und der Albanienhilfe, bleibt. Seine Zeit als Pastor ist vorbei. Auf eigenen Wunsch.

Als er 1985 seine Pastorenstelle in Wismar antrat, hätte er nicht damit gerechnet, dass daraus einmal fast ein halbes Jahrhundert werden würde. Genau sind es jetzt 24 Jahre. Normalerweise wäre er wie üblich längst versetzt worden. „Ich bin lange überfällig“, sagt Frieder Weinhold. Mit der Versetzung hätte er nun rechnen müssen. Denn die pastorale Versorgung der Gemeinde wird von Rostock aus geschehen. Doch diese Stadt verlassen, in der er und seine Familie tief verwurzelt sind? Und vor allem dem Christlichen Hilfsverein und der Albanienhilfe den Rücken kehren? Vor allem die letzte Frage hat der 56-Jährige, dessen Wiege in Markneukirchen im Vogtland stand, klar für sich beantwortet: Nein! „Dann hätte ich den Hilfsverein und die Albanienhilfe gefährdet“, so Weinhold. Das dürfe auf keinen Fall geschehen. „Jetzt mache ich den Schnitt. Ich bin nicht mehr Pastor, aber bleibe Gemeindemitglied. Ich nehme ja nicht Abschied von der Kirche.“ In jedem anderen Unternehmen würde man sagen, Frieder Weinhold hat gekündigt. In der Kirche heißt es: Verabschiedung aus dem Beamtetenstatus eines Pastors.

Morgen verabschiedet sich der Pastor Frieder Weinhold von seiner Gemeinde um 10 Uhr mit einem Gottesdienst im Gemeinderaum am Turnplatz, um 11.30 Uhr ist ein kleiner Empfang im Vereinshaus.

Nicht des Geldes wegen sei er damals Pastor geworden, die Bezahlung zu DDR-Zeiten war sowieso recht gering, sondern der Sache wegen. Schon als Kind hatte er den Wunsch, für Menschen da zu sein. Frieder Weinhold wollte Pastor werden, fühlte sich dazu berufen. Nach dem Abitur mit Altsprachenausbildung, das er trotz seines bekannten Berufswunsches dank eines engagierten Lehrers an seiner Schule machen konnte, trat er in das Theologische Seminar der Evangelischmethodistischen Kirche der DDR in Bad Klosterlausitz in der Nähe von Gera ein. Acht Jahre Ausbildung, einschließlich vier Praxisjahre, lagen vor ihm. Schon 1977 ging er während dieser Praxisjahre nach Dessau – seine erste Pastorenstelle von 1980 bis 1885. 1977 war aus einem weiteren Grund ein bedeutsames Jahr. Frieder Weinhold heiratete seine Doris aus Gera, die er in einem Jugendkreis kennen gelernt hatte. Die beiden haben zwei Söhne und drei Töchter.

Jetzt wird sich Frieder Weinhold dem Hilfsverein und der Albanienhilfe noch stärker widmen können – dem Dreh- und Angelpunkt seines Lebens, wie er selbst sagt. Vor allem natürlich den Menschen, die damit verbunden sind. „Für sie ist es wichtig, zu uns zu kommen“, sagt er. Viele Wismarer seien in diese Arbeit eingebunden, haben eine Aufgabe. Sie kommen zum Turnplatz, finden Respekt und Anerkennung für ihre Hilfe.

„Die ganze Arbeit, die ich hier in Wismar gemacht habe, wäre nicht möglich gewesen, wenn die Unterstützung der Kirchgemeinde nicht gewesen wäre“, ist Frieder Weinhold dankbar. Und diese Arbeit will er weiterführen. In der Stadt, in der er mit seiner Frau alt werden möchte.

Christel Ros
aus: OSTSEE-ZEITUNG Wismar, Samstag, 05.09.2009

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