In der Baumschule wächst die Zukunft

Datum:  |  Autor: Ingmar Bartsch / CHW

„Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ So hat es Luther einst formuliert. Ein Baum hat etwas Beständiges, er braucht Jahre, bis er groß wird. Bäume sind die einzige Rohstoffquelle, die Bishnica hat. Die Männer versuchen, ihre Familien durch den Holzeinschlag zu ernähren und etwas für den Winter zurückzulegen. Doch die Abholzung hinterlässt ihre Spuren.

Ein staatliches Programm zur Aufforstung gibt es nicht, es würde zu viel kosten. Umweltschutz ist teuer, andere Probleme haben Vorrang. Auch Arbeit kann der Staat kaum schaffen. So müssen die Männer mit jedem Jahr weiter in die Berge fahren, immer weniger Wald ist auf den Berghängen zu sehen. Dort, wo keine Bäume mehr stehen sind die Straßen schwer passierbar, die Erosion ist an vielen Stellen deutlich zu erkennen. Die kahlen Hänge fallen besonders denjenigen auf, die zum ersten Mal in Bishnica sind.

Im Winter müssen Albaniens Wälder Brennstoff, im Sommer Bauholz liefern

Bäume für die Zukunft

Im März hat der CHW ein Projekt mit dem Namen „Bäume für die Zukunft“ gestartet. Die Idee: Spender in Deutschland können Bäume kaufen, die in Albanien aufgezogen werden. Dabei gibt es zwei Kategorien. Zum einen Laubbäume wie Pappeln, Akazien und Walnüsse, die schnell wachsen und so an den stark erosiven Stellen gepflanzt werden können. Außerdem gibt es Obstbäume, die den Familien eine zusätzliche Einkommensquelle ermöglichen sollen.

Für die Umsetzung des Projekts haben wir vor Ort kompetente Partner, die Forst- und Landwirtschaft studiert haben. In den 90er-Jahren wurden sie von der Partnerorganisation Agrinas weitergebildet und qualifiziert. Die Bäume stehen auf einem Grundstück in Bishnica, einer kleinen Baumschule.

Erste Bäume gepflanzt

Bereits im April haben wir die ersten Setzlinge pflanzen lassen. Leider sind Ende Mai nach einer kalten Nacht die kleinen Akazien erfroren. Als Ersatz dafür bot uns Kristian Menkshi, der Leiter der Baumschule, ältere Bäume an. In diesem Jahr können wir die ersten Bäume umsetzen. 400 Akazien und 300 Walnussbäume sollen oberhalb von Bishnica gepflanzt werden. Die restlichen Bäume, rund 800 Pappeln und 1000 Obstbäume, verbleiben vorerst in der Baumschule. Die Umpflanzaktionen werden in diesem Jahr von Schulungen begleitet. Wir wollen den Menschen zeigen, wie man mit den Bäumen umgeht.

Kristian berichtete uns von einem Prozess des Umdenkens. Bereits Mitte der 90er-Jahre hatte Agrinas Obstbäume gepflanzt. Damals wollte sie keiner haben. Letztendlich haben nur einige Bauern die Bäume auf ihren Grundstücken gepflanzt. Inzwischen wissen sie, dass das Obst auf dem Markt in der Stadt einen guten Ertrag bringt. So haben in den vergangenen Jahren einige Bauern auf ihren Grundstücken mit eigenen Mitteln – meist Geld, das ihre Kinder aus Griechenland schicken – kleine Plantagen angelegt.

Die Obstbäume, die in der Baumschule gezogen werden, wollen wir denjenigen zur Verfügung stellen, die sich keine Bäume leisten können. Außerdem wollen wir den Menschen vermitteln, dass man einen Wald auch bewirtschaften kann, ohne ihn zu vernichten.

In Deutschland suchen wir noch Leute, die uns mit Rat und Tat, aber natürlich auch mit Spenden zur Seite stehen.

Ingmar Bartsch

 

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