Kinder brauchen Hoffnung

Datum:  |  Autor: Doris Weinhold

Fast sieben Jahre war ich nicht mehr in den albanischen Bergen. Umso gespannter erwartete ich den Besuch in Bishnica. Ich war mit dem Ziel dorthin gefahren, mir die Situation der Kinder in den Bergdörfern einmal genauer anzusehen.

Ich konnte mich noch gut an die ersten Besuche hier oben erinnern. Kaum kamen wir die staubige Landstraße entlanggefahren, liefen aus allen Richtungen Kinder zusammen, um uns zu begrüßen. Wie Kletten hingen sie während der Tage unseres Aufenthaltes an uns. Sie beobachteten uns, brachten uns selbstgepflückte Blumensträuße und unreifes Obst. Sie halfen uns beim Einkaufen, zeigten uns den Weg zu Familien, die abgelegen wohnten, und waren stets an unserer Seite. Noch heute kann ich mich gut an das Strahlen in ihren Augen erinnern, wenn sie spürten, dass sie uns wichtig waren. Fast alle besuchten damals die Kinderstunden, die die Helfer des CHW im Freien und dann später in der kleinen Kirche hielten.

Die Situation der Familien und der Kinder

Heute, 2009 gibt es weniger Kinder in den Dörfern, aber sie haben noch dasselbe Temperament. Und sie kommen immer noch neugierig die Dorfstraßen entlanggelaufen, wenn Besuch da ist. Familien in Albanien sind kinderreich. Drei bis sieben Kinder sind keine Seltenheit. Viele Familien versuchen in die großen Städte zu ziehen, weil die medizinische Versorgung, die Aussicht auf Arbeit oder gute Bildung in den Dörfern sehr gering ist. Deswegen trifft man heute verwaiste abgelegene Dörfer an. In Jolle wohnen nur noch vier, früher lebten dort 80 Familien. Für Kinder sind damit die soziale Isolation oder Schulwege zwischen 12 und 25 Kilometern vorprogrammiert.

Für Frauen gibt es keine Arbeit. Sie sind Hausfrauen und bewirtschaften die kleinen Felder, das Haus und den Garten. Eine Familie hat ein geregeltes Einkommen von 20 Euro. Die Männer und die ältesten Kinder arbeiten in Griechenland oder Italien. Die jüngeren Kinder helfen bei der Feldarbeit, hüten Ziegen und kümmern sich um die jüngsten Geschwister. Schwere körperliche Arbeit kennen sie sozusagen von Jugend an. Staatliche Kinderbetreuung ist nur in großen Dörfern organisiert. Öffentliche Spielplätze oder Sportstätten gibt es nicht. Wald und Dorf sind die einzige „Spielwiese“.

Wegen der vielen Probleme greifen Familienväter immer wieder zu Alkohol. Folgen sind misshandelte Frauen und Kinder. Die haben weder Anlaufstellen, noch Psychologen und Ärzte, denen sie sich anvertrauen können. Langsam öffnen sie sich unseren Mitarbeiterinnen im Internat und berichten von ihren Sorgen. Hier ist unbedingt Hilfe nötig.

Unterstützung im Internat Bishnica

Die Kinder erhalten durch die Arbeit des CHW in Bishnica eine Chance   (Foto: Frieder Weinhold)

In unserem Internat begegnen mir sehr freundliche bescheidene und dankbare Kinder. Sie bedanken sich dafür, in unserem Internat sein zu dürfen, mit Freunden spielen zu können und den Luxus des täglichen warmen Essens zu haben. Manchmal haben sie Heimweh, denn sie lieben ihre Familie über alles, egal welche Probleme es zu Hause gibt. Sie gehen gern zu den Kinderstunden, die unsere Mitarbeiterinnen wöchentlich für alle Kinder im Dorf anbieten.

Der Glaube an Gott ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Sie berichten davon, dass sie in Notsituationen beten und Gott ihre Gebete erhört. Nicht nur Jesus ist für sie ein Vorbild, sondern auch die albanischen Mitarbeiter des CHW, die sich um die Kinder kümmern. Mich überwältigt die Tatsache, mit wie wenig man den Kindern eine Freude machen kann. Lieder singen, Geschichten erzählen, malen und Gummibärchen verteilen begeistert die Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren – eine Unmöglichkeit in Deutschland. Jeder zweite Satz bei deutschen Kindern, die oft völlig übersättigt sind, ist: „Das ist langweilig.“

Fundament für’s Leben

Am Ende meiner Reise sitze ich in Pogradec in der kleinen Methodistengemeinde neben dem jungen Pastor Riegels Kasmollari, der dort die Predigt hält und die Gemeinde betreut. Nach dem Gottesdienst wird er von einer Frau aus Deutschland gefragt, warum er denn Pastor geworden sei. Er antwortet: „Das begann mit den Kinderstunden in Bishnica, die ich immer besuchte. Dort habe ich die Geschichten von Jesus gehört und die Bibel kennengelernt. Dann habe ich mich für ein Leben mit Gott entschlossen und später den Wunsch verspürt, Pastor zu werden.“

So wie Rigels gibt es noch mehr „Dorfkinder“, die durch den Glauben einen Halt gefunden haben. Sie sind heute Ärzte, Pastoren, Germanistinnen und Krankenpflegehelfer. Zusammen mit der Entwicklungshilfearbeit, die der CHW noch heute leistet, bekommen Kinder ein gutes Fundament für ihr späteres Leben. Bitte unterstützen Sie uns dabei!

 

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