Mutter Teresa: Papst spricht gebürtige Albanerin heilig

Datum:  |  Autor: CHW

Die als Mutter Teresa bekannt gewordene, aus Albanien stammende Anjezë Gonxha Bojaxhiu ist – nur 19 Jahre nach ihrem Tod – heiliggesprochen worden. Vor Hunderttausenden Pilgern verlas Papst Franziskus Anfang September auf dem Petersplatz in Rom in einer feierlichen Messe die entsprechende Formel.

Dabei würdigte Papst Franziskus das Leben der weltbekannten Nonne: „Ihre Mission in den Randzonen der Städte und den Randzonen des Lebens bleibt in unserer Zeit ein beredtes Zeugnis für die Nähe Gottes zu den Ärmsten der Armen.“ Das Interesse an der Zeremonie in Rom war enorm. Neben Hunderttausenden Menschen vor Ort wurde das Ereignis im Fernsehen in mehr als 100 Länder übertragen. Zahlreiche internationale Delegationen, darunter auch aus Indien, waren bei der Heiligsprechung dabei, die als ein Höhepunkt des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gilt.

Heilige Mutter TeresaBojaxhiu alias Mutter Teresa, die 1910 als Tochter einer wohlhabenden albanischen Kaufmanns-Familie in Skopje geboren worden war, verbrachte ihr Jugend in Shkodra. Als ihr Vater überraschend 1918 starb, wandte sie sich dem christlichen Glauben zu, entschied sich im Alter von zwölf Jahren für ein Leben als Ordensfrau und bat vier Jahre später um die Aufnahme ins Noviziat der Loretoschwestern. Nach einem kurzen Aufenthalt in deren irischem Mutterhaus wurde die junge Frau nach Bengalen gesandt. Im indischen Kalkutta legte sie ihr Gelübde ab, nahm den Ordensnamen Teresa an und arbeitete 17 Jahre an der örtlichen Schule.

Im September 1946 wandte sie sich der Betreuung der Armen zu, wurde kurz darauf Staatsbürgerin des mittlerweile unabhängigen Indiens und gründete 1950 den Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Die Gemeinschaft kümmerte sich – zunächst in Kalkutta – um Bedürftige wie Sterbende, Waisen, Obdachlose und Kranke. Ihr besonderes Engagement lag und liegt jedoch in der Betreuung von Leprakranken. Mittlerweile gehören den Missionaren der Nächstenliebe über 3000 Ordensschwestern und mehr als 500 Brüder in 710 Häusern in 133 Ländern der Erde an.

Großes Interesse bereits bei der Seligsprechung, 19.10.2003

Großes Interesse bereits bei der Seligsprechung, 19.10.2003

Für ihr Wirken erhielt Mutter Teresa, die in Indien als „Heilige der Gosse“ verehrt wird, zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1979 den Friedensnobelpreis. Ihre Heiligsprechung nur etwa 19 Jahre nach ihrem Tod ist eine der schnellsten in der Geschichte der katholische Kirche. Nur sechs Jahre nach ihrem Tod war Mutter Teresa 2003 bereits von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. 2015 erkannte dann Papst Franziskus das für die Heiligsprechung nötige zweite Wunder an. Schon 2008 hatte ein schwer kranker Brasilianer geltend gemacht, durch Gebete zu Mutter Teresa von mehreren Infektionen im Gehirn geheilt worden zu sein. Mittlerweile hat der Mann – gegen jede medizinische Wahrscheinlichkeit – mit seiner Frau Kinder.

Allerdings ist die Entscheidung des Papstes nicht unumstritten: Mutter Teresa wird vorgeworfen, nur die Symptome der Armut statt deren Ursachen bekämpft zu haben. Auch ihre kompromisslose Einstellung zum Schwangerschaftsabbruch („Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder“) und Verhütung missfiel Kritikern, die zudem Missstände in den Heimen des Ordens beklagten. Schließlich tauchten nach ihrem Tod Briefe auf, aus denen hervorgeht, dass Mutter Teresa oft an Gott zweifelte.

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