Neue Schulmodelle: Nehemiaschule und Amaro Tan

Datum:  |  Autor: CHW

Die öffentlichen Kassen des albanischen Staates sind leer, das merkt man besonders am maroden Schulsystem. Schmutzige Schulen ohne Heizung und Sanitäranlagen sind noch immer die Regel, Lehrmethoden und Material sind veraltet und die allgegenwärtige Korruption macht auch vor der Notengebung nicht Halt. Viele Lehrer sind nicht genügend qualifiziert und extrem demotiviert. Dazu kommen seit der Öffnung des Landes zunehmende Kriminalität und Drogenkonsum an Schulen.

Die Nehemia-Schule in Pogradec

Aus diesen Gründen hat Nehemia, die Partnerorganisation des CHW, eine Privatschule gegründet, die den Kindern eine gute Ausbildung und Förderung vom Kindergarten bis zum Abitur ermöglicht. Wir sorgen nicht nur für ein gutes Umfeld durch ein pädagogisch angepasstes und umweltfreundliches Gebäudekonzept, sondern legen auch viel Wert auf die Schulung und Weiterbildung unserer Pädagogen. Die Kinder erhalten eine Fülle von Weiterbildungsmöglichkeiten und Kursen zusätzlich zum staatlich vorgeschriebenen Lehrplan. Unsere Schüler sollen sich nicht nur Wissen aneignen, sondern eine gute, umfassende Ausbildung erhalten, die sie zu tragfähigen und aktiv gestaltenden Mitgliedern ihrer Gesellschaft machen.

Die laufenden Kosten der Nehemia Schule können größtenteils durch das Schulgeld gedeckt werden, das von den Eltern gezahlt wird. Doch nicht alle Familien sind dazu in der Lage. Einzelne begabte Kinder sind auf Spenden angewiesen. Heute besuchen fast 400 Kinder die Nehemiaschule, und auch in den nächsten zwei Schuljahren werden jeweils zwei Klassen dazukommen. Dann machen unsere „Großen“ ihr Abitur. Unser Traum ist es, dann bereits die ersten Studiengänge der „Nehemia-Universität“ anzubieten.

Die Nehemiaschule ist beheimatet in einem modernen, pädagogischen Erfordernissen angepassten Gebäude. Bau- und Energiekonzept tragen zu Wirtschaftlichkeit und Erfolg der Schule bei. Die Arbeit der Nehemiaschule konzentriert sich auf die Förderung begabter Kinder.

Amaro Tan-Schule für Roma-Kinder

Leider können wir damit aber eine Bevölkerungsgruppe nicht erreichen, die uns auch sehr am Herzen liegt: Kinder aus den verachteten Romafamilien, denen nicht einmal der Besuch der öffentlichen Schulen möglich ist (trotz Schulpflicht)! An den kleinen Besuchern unserer Suppenküche wurde uns diese Not deutlich sichtbar: Verwahrloste Kinder ohne jegliche Perspektiven für ihre Zukunft; allzu oft hungrig, misshandelt, zum Betteln gezwungen… Nicht selten verschwinden Kinder über Nacht, werden buchstäblich verkauft – unvorstellbar, was sie durchmachen müssen.

Bereits im Jahr 1999 hat Nehemia sich auch mit diesem Problem beschäftigt und die „Klassen der Hoffnung“ eröffnet. Das sind spezielle Förderklassen für Kinder aus armen Familien, vor allem aus der Romagemeinschaft. Die älteste Schülerin der ersten Klasse war damals 13 Jahre alt und bereits verheiratet; aber überglücklich, endlich lesen und schreiben lernen zu können!

Auch unsere Freunde von „Jugend mit einer Mission“ (JmeM), mit denen Nehemia eng zusammenarbeitet, sahen die Not in der Romagemeinschaft und machten Nägel mit Köpfen: Sie mieteten ein eigenes Gebäude, kümmerten sich um Lehrer und eine Schulküche und beantragten die Lizenz für eine Privatschule. Der Name der Schule: „Amaro Tan“, was in der Romasprache soviel bedeutet wie „Unser Platz“.

So fanden die „Klassen der Hoffnung“ von Nehemia „ihren Platz“ in der Arbeit von JmeM. Heute verfügt die Schule Amaro Tan bereits über ein eigenes Gebäude, in dem fast 150 Kinder unterrichtet werden. Sie erhalten dort eine exzellente Betreuung und guten Unterricht, lernen Sozialverhalten und Hygiene und erhalten eine Menge Hilfen: Täglich eine warme Mahlzeit, medizinische Versorgung und Hilfsgüter auch für ihre armen Familien. Und was für sie besonders wichtig ist: Für sie ist die Schule ein Ort des Schutzes und der Geborgenheit, wo sie die Liebe Gottes am eigenen Leib verspüren können.

Isolde Flessa ist Mitarbeiterin von Nehemia und ist seit 1996 in Albanien

 

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