Religionsfreiheit und Menschenrechte

Datum:  |  Autor: CHW

Vor dem Hintergrund weltweiter religiös motivierter Terrorgruppen gewinnt das friedliche Zusammenleben der Religionsgemeinschaften und die Zusammenarbeit für eine freie und gerechte Gesellschaft an Bedeutung. Dass dies in Albanien vorbildlich funktioniert, hat bereits Papst Franziskus bei seinem Besuch im letzten September betont. Auch beim Besuch des evangelischen Theologen und Religionswissenschaftlers Thomas Schirrmacher im März 2015 war es das zentrale Thema.

Thomas Schirrmacher während der Gastvorlesung in Tirana

Thomas Schirrmacher während der Gastvorlesung in Tirana

Die Ziele radikaler Gruppierungen nicht abtun

Thomas Schirrmacher, Präsident der International Society for Human Rights und Botschafter für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, war Ende März zu einer Gastvorlesung an der University of New York Tirana, der ersten Privatuniversität des Landes, eingeladen. In seiner Vorlesung „Nazism as a political religion“ nahm Schirrmacher den Aufstieg des Nationalsozialismus als Beispiel dafür, dass viele Politiker die absurden Ziele von Fundamentalisten irrigerweise nicht ernst nähmen, sondern für rhetorische Übertreibung hielten. Noch 1933 habe etwa Theodor Heuss ein mutiges Buch gegen den Nationalsozialismus veröffentlicht, in dem er aber auf Ziele wie die Auslöschung der Juden oder Lebensraum im Bereich der Sowjetunion nicht näher einging, weil er sie für absurd und sowieso nicht umsetzbar hielt.

Auch das Ziel der Islamisten, das Christentum aus dem Nahen Osten zu entfernen, habe anfangs niemand ernst genommen, bis die gewaltsame Massenvertreibung von Christen aus dem Irak und aus Syrien begann. „In Ägypten sind wir gerade noch eben so an einer Massenvertreibung oder -auswanderung von koptischen Christen vorbeigeschrammt“, so der Religionssoziologe. Und ebenso nähmen derzeit viele nicht ernst, dass der neue indische Ministerpräsident Narendra Modi einer Bewegung angehöre, die schon seit Jahrzehnten behauptet, Indien gehöre allein den Hindus und alle Muslime und Christen seien zwangsbekehrte Hindus, die zurückbekehrt werden müssten. Religiöse Minderheiten spürten jedoch im ganzen Land, wie sich die Stimmung ihnen gegenüber verschlechtere und wie Gewalt von fundamentalistischen Hindus gegen Andersdenkende zunehme.

Anschließend sprach Schirrmacher im Historischen Nationalmuseum am Skanderbeg-Platz in Tirana, dem größten Museum des Landes, zum Thema „Woher stammen die Menschenrechte“. Der Vortrag fand im Zusammenhang mit einer Mitgliederversammlung der Albanischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte statt.

Langjährige Kontakte in Albanien

Vorausgegangen war ein Empfang beim Präsidenten von Albanien und ein Empfang beim Oberbürgermeister von Tirana. Außerdem traf Schirrmacher das Oberhaupt der Albanisch-Orthodoxen Kirche, Erzbischof Anastasios, den katholischen Nuntius, Erzbischof Ramiro Moliner Inglés, sowie den Generalsekretär der Evangelischen Allianz, Pastor Akil Pano.

Thomas Schirrmacher beim albanischen Staatspräsidenten Bujar Nishani

Thomas Schirrmacher beim albanischen Staatspräsidenten Bujar Nishani

von links: Thoma Schirrmacher, Erzbischof Anastasios Yannoulatos, Akil Pano, Generalsekretär der Ev. Allianz Albaniens

von links: Thoma Schirrmacher, Erzbischof Anastasios Yannoulatos, Akil Pano, Generalsekretär der Ev. Allianz Albaniens

Zu Akil Pano, der auch Mitglied des Aufsichtsrats der Fondacioni Diakonia Albania ist, unterhält Thomas Schirrmacher regelmäßige Kontakte. Mit dem Erzbischof von Albanien verbindet ihn sogar eine langjährige Freundschaft. Das Verhältnis der Orthodoxen Kirche zur Albanischen Evangelischen Allianz gilt als sehr gut. Die Mitglieder der Gemeinden der Evangelischen Allianz bestehen fast ausschließlich aus früheren Muslimen, die erst seit der erneuten Unabhängigkeit des Landes 1990 Christen geworden sind. Der Erzbischof war viele Jahre Vorsitzender des Missionsausschusses des Weltkirchenrates und gilt als bedeutender Missionswissenschaftler. Für ihn schließt die Religionsfreiheit in Albanien immer auch das Recht ein, seine Religion wechseln zu dürfen, auch vom Islam zum Christentum, und er ist dafür seit 1990 immer wieder öffentlich eingetreten.

 

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