Diakonia-Konferenz 2019 in Pogradec

Datum:  |  Autor: Michael Wetzel

Mitte Oktober trafen sich Partner, Unterstützer und Mitarbeiter der Diakonia Albania (DA) zur jährlichen Konferenz, diesmal in den Räumen der Apostolischen Kirche in Pogradec (Albanien). Die Tagung wurde, wie bereits in den Vorjahren, als kommunalpolitisches Seminar gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt – eine Partnerschaft, die Früchte trägt und unsere Arbeit sehr bereichert. Dr. Michael Wetzel berichtet über die Themen und Perspektiven, die bei dabei sichtbar wurden.

Diakonia-Konferenz 2019

Die Menschen der Mokra-Region mit politischen Akteuren sowie Experten für Raumplanung und Strukturentwicklung zusammenzubringen, war das Anliegen dieser Tagung, die vom 17. bis 20. Oktober 2019 in Zusammenarbeit mit der dem Büro Tirana der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Pogradec stattfand. Inhaltlich ging es vor allem darum, lokales soziales und kommunales Handeln in europäischer Partnerschaft zu reflektieren und konkrete Entwicklungsmöglichkeiten der Mokra-Region zu erörtern.

Tourismus und Infrastruktur weiterentwickeln

Als international renommierter Fachmann zeigte Prof. Dr. Ilia Kristo von der Universität Tirana am Beispiel nordalbanischer Dörfer auf, welche Marketingstrategien sich anhand profunder Analysen der jeweiligen Vor-Ort-Situation im Sinne einer zukunftsweisenden touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung selbst abgelegener Landstriche verfolgen lassen. Ein ungeheures Potenzial für „sanften Tourismus“ machte auch Kristos Kollege Prof. Dr. Perikli Qiriazi für den Raum Pogradec aus.

Dass solche Überlegungen von der Stadtverwaltung Pogradec dankbar aufgegriffen werden, verdeutlichte der Präsident des Stadtrates, Sotiraq Mangëri, der zugleich Mitglied im Aufsichtsrat der DA ist. Konkrete Ankündigungen von Straßenbauprojekten und der Verbesserung der Infrastruktur fanden den Beifall der zahlreichen Seminarteilnehmer aus Bishnica und Umgebung. Hoffnung macht vor allem, dass engagierte Politiker, wie die Pogradecer Stadträtin Mimoza Shuli, in dieser Frage bereits den intensiven Dialog mit der albanischen Regierung pflegen.

Projekt „Dorfmitte Bishnica“

Freilich – das machte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der DA, Frieder Weinhold, in einem mit Spannung verfolgten Podiumsgespräch deutlich – dürfen Ideen nicht an den Menschen der Mokra-Region vorbei entwickelt werden. Vielmehr hängt der Erfolg jeglichen Geldeinsatzes auch davon ab, inwiefern durch die Stärkung des Gemeinsinns die Dorfgemeinden selbst ein zukunftsorientiertes Bewusstsein hervorbringen können. Dieses Ziel verfolgt das Projekt „Dorfmitte Bishnica“, das der Architekt Walther Kehrer von der Hochschule Wismar im Rahmen seiner Masterarbeit entworfen hat und dessen Präsentation im Seminargeschehen breiten Raum einnahm. Kehrer legte bauliche Gestaltungsvorschläge eines „Bürgerzentrums“ vor, das nicht nur dem dringend notwendigen Neubau des Internats in Bishnica dienen, sondern darüber hinaus als Ort der Begegnung für die Menschen im Ort fungieren soll.

Historisches Erbe der Region

Auf das konzentrierte Arbeiten folgte eine Exkursion zu den kulturgeschichtlich wertvollen Ausgrabungsstätten auf der Halbinsel Lin am Ohridsee. Hier bestaunten die Teilnehmer frühchristliche Mosaiken und Fundamente aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. Die Reste dieser alten Kirche bilden einen wesentlichen Bestandteil des Welterbe-Status, den die albanische Seite des Ohridsees im Frühjahr 2019 erhielt. Somit steht nun der ganze See unter UNESCO-Schutz.

Danach ging es weiter nach Selce e Poshtme. Die illyrischen Königsgräber aus dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. haben zweifellos das Potenzial für eine weitere UNESCO-Welterbestätte im Bereich der Stadt Pogradec. Die Leiterin des Pogradecer Museums, Frau Froseda Angjellari, sorgte mit ihren fachkundigen Erläuterungen bei den Teilnehmern der Exkursion für einen großen Erkenntnisgewinn hinsichtlich dieser archäologischen Kostbarkeiten.

Die Region weiterentwickeln

Der vielfältige Ertrag des Seminars, das zugleich als Mutmacher für die Menschen in den Mokra-Bergen und als Anerkennung des langjährigen Einsatzes des CHW in der Region gewertet werden darf, ist wesentlich der KAS Tirana und ihrem Leiter Dr. Tobias Rüttershoff zu verdanken, der ebenfalls das Wort ergriff und die Anwesenden ermutigte, eine Multiplikatorenrolle als Förderer ländlicher Entwicklungsprinzipien einzunehmen.

Den emotionalen Höhepunkt der Tagung bildete eine Begegnung mit den Internatskindern in Bishnica, mit denen ein gemeinsames Essen veranstaltet wurde. Im Sinne dieser künftigen Generation wird es sich lohnen, weiter an der Perspektive der Mokra-Region zu arbeiten und dafür in Albanien, Deutschland und Europa weitere Einzelpersonen und Institutionen als Unterstützer zu gewinnen.

 

Bilder: Frieder Weinhold, Saimir Rakipllari, Aurora Zeqo

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