Rückblick auf die Weihnachtsaktion 2020

Datum:  |  Autor: Frieder Weinhold

Weihnachtsaktion – das klingt schön. In der Adventszeit Geschenke an arme Kinder zu verteilen, so stellen sich das viele vielleicht vor. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verteilaktion erleben das auch so. Davor gibt es aber monatelange Vorarbeiten, an denen noch sehr viel mehr ehrenamtliche Helferinnen und Helfer beteiligt sind.

Weihnachten beginnt im Frühjahr

Die Vorarbeiten zur Weihnachtspäckchenaktion beginnen bereits im Frühjahr: den Inhalt der Päckchen und den Zeitplan festlegen, den/die Schirmherr/in gewinnen, Mitarbeiter und Sammelstellen suchen. Parallel dazu erstellen wir Flyer, Plakate, Infos für Sammelstellen, Presseinfos etc. und versenden sie an die Sammelstellen (Es können übrigens gerne noch mehr werden). Außerdem gehen über 4000 Rundbriefe mit dem WPA-Flyer zur Post.

In der Sommerzeit besorgt das Team um Christine Reindorf Material für die Päckchen, die in Wismar gepackt werden, finanziert durch Geldspenden. Es werden Lieferanten kontaktiert und Preise verglichen, die ersten Bestellungen gehen raus.

Dann geht es auch schon los mit Veranstaltungen und Infoständen – wegen Corona diesmal deutlich weniger als sonst. Aber wir hatten am 28. Juni einen schönen Gottesdienst zum offiziellen Auftakt der Weihnachtsaktion in der Wismarer St.-Georgen-Kirche. Wegen Corona waren nur 100 Besucher erlaubt, und so viele kamen tatsächlich. Nach der Veranstaltung durften wir unsere Ausstellung noch für einige Zeit stehen lassen, so dass auch Wismar-Touristen sich über die Arbeit des CHW und die Weihnachtsaktion informieren konnten.

Alle Weihnachtspäckchen werden kontrolliert…

Die heiße Phase der WPA beginnt Ende Oktober, wenn ehrenamtlichen Helfer viele hundert Päckchen verpacken, die Spenden aus ganz Deutschland einsammeln und kontrollieren, und schließlich den LKW beladen. Dabei sind wir jedes Mal dankbar für die Halle, die uns die Stadt Wismar zur Verfügung stellt.

Warum berichte ich das alles?

Ich möchte verdeutlichen, wie umfangreich das das Projekt “Weihnachtsaktion” ist. Das Verteilen der Geschenke in Albanien macht Freude und liefert schöne Bilder, ist aber nur der kleinste Teil. Die ganzen Vorarbeiten, das ehrenamtliche Engagement und die vielen Geldspenden werden oft nicht gesehen. Dazu gehört auch das Engagement der Sammelstellen in ganz Deutschland und der Fahrer, die die dort abgegebenen Päckchen einsammeln.

Willkommen in Albanien

Ende November brachten zwei Lastwagen die 3.800 Päckchen sowie viele andere Hilfsgüter nach Albanien. Einen LKW fuhr ich selbst, um ganz sicher durchzukommen, denn trotz Corona-Beschränkungen werden Waren- und Hilfstransporte nicht behindert. Bei der Zollkontrolle, die ausnehmend gut und schnell verlief, überraschten mich zwei junge albanische Zöllner: Als sie sahen, dass ich Hilfsgüter geladen hatte, sagten sie nur „Herzlich willkommen!“ und reichten mir die Papiere ohne weitere Prüfung zurück.

Anfang Dezember begann die Verteilung an den Schulen in den Bergdörfern, die zur Stadt Pogradec gehören. Wie jedes Jahr fuhren zwei Teams die Schulen an, wo sie schon sehnlichst erwartet wurden. Einige Kinder hatten schöne Dankesbriefe vorbereitet. Über Social Media erhielt ich Grüße von jungen Menschen, die früher Weihnachtspäckchen erhalten hatten und uns ermutigten, weiterzumachen. Eine junge Albanerin, die im Verteilteam mitarbeitete, war ebenfalls als Kind bei der Weihnachtsaktion beschenkt worden.

Weihnachtsaktion in Poroçan

Natürlich geht immer ein großer Teil der Weihnachtspäckchen an Schulen und Kindergärten. Sehr gerne haben wir aber auch der städtischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Pogradec Weihnachtspäckchen zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit unserem Schirmherrn Sotiraq Mangeri, dem Stadtpräsidenten von Pogradec, durfte ich sie an die Klienten weitergeben. Die Freude war groß, da die Kinder und Erwachsenen dort in der Corona-Zeit weniger Möglichkeiten zur Beschäftigung haben.

Und auch nach der Abreise der deutschen Verteilhelfer ging es weiter: Mit weiteren Weihnachtsgeschenken unterstützten wir eine städtischen Einrichtung in Pogradec für Roma-Kinder, die Schulverwaltung zur Ehrung der besten Schüler, sowie mehrere Kirchengemeinden.

Zuletzt unternahm ich mit den albanischen Mitarbeitern noch eine lange Tour in die entfernten Dörfer Kabash, Gjere, Poroçan und Holtas. In Luftlinie liegen sie nicht weit von Bishnica; da aber über den Berg keine Straße führt, ist es eine lange Fahrt durch das Shkumbintal nach Elbasan und dann durch Seitentäler wieder zurück. Zum Schluss führt der Weg direkt durchs Flussbett, danach geht es steil bergauf zum Dorf Holtas. Dort haben wir den erwartungsfrohen Kindern die Weihnachtspäckchen gemeinsam mit Kinder-Vitaminsaft übergeben.

Große Dankbarkeit

Nach vielen weiteren Terminen und Gesprächen sowie der Rückfahrt mit dem LKW kam ich kurz vor Weihnachten wieder zu Hause in Wismar an – und musste erst einmal in Quarantäne.

Ja, ich bin dankbar für die Weihnachtsaktion, die wir schon seit vielen Jahren regelmäßig durchführen können. Sie bringt jedes Mal Freude und Dankbarkeit zu tausenden von Kindern, sie ist sogar ein prägendes, unvergessliches Element ihrer Kindheit. Daher möchte ich auch Ihnen allen meinen Dank aussprechen, sie Sie sich an der Aktion beteiligt haben – sei es durch Ihre Päckchen, Geldspenden oder durch aktive Mitarbeit. Schauen Sie sich die Bilder an, freuen Sie sich mit und seien Sie auch bei der nächsten Aktion wieder dabei!

Fotos: Tim Probsthain, Aurora Zeqo, Frieder Weinhold, Lindita Pano

 

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