Togolesische Flüchtlinge wollen in Wismar als Freunde leben

Datum:  |  Autor: Frieder Weinhold

Er wurde von seinem Volk immer nur mit Sonnenbrille gesehen. Bundespräsident Heinrich Lübke ließ sich extra den Arm eingipsen, damit er bei seinem Staatsbesuch 1966 dem Präsidentengeneral Gnassingbé Eyadéma, dem mörderischen Diktator von Togo, nicht die Hand schütteln musste. Nach der Unabhängigkeit des Landes 1960 war Eyadéma in dem ersten Militärputsch des nachkolonialen Afrikas 1963 an die Macht gekommen und herrschte fast 40 Jahre.

Nach dem Tod des Präsidenten übernahm sein Sohn Faure Gnassingbé 2003 unter Missachtung der Gesetze die Regierungsgeschäfte. Gegen die Verfassung ließ er sich zum Staatsoberhaupt ernennen. Internationaler Druck und Unruhen im Lande führten zur Rückkehr zu verfassungsgemäßen Zuständen. Die folgenden Wahlen konnte Faure Gnassingbé jedoch für sich entscheiden, wobei ihm die Opposition und auch die Europäische Union massiven Wahlbetrug vorwerfen.

Nach wie vor befinden sich mehrere tausend Flüchtlinge im Ausland. In der neuesten Untersuchung durch das Flüchtlingshilfswerk der UNO (UNHCR) wurden folgende Feststellungen getroffen: „Nach Angaben der Kommission war das festgestellte Ausmaß der Gewalt in Togo sehr viel größer als ursprünglichen Medienberichten zu entnehmen war. Hinsichtlich der von Seiten des Militärs und der Regierungsanhänger verübten Gewalttaten muss dabei von organisierter Gewalt ausgegangen werden“. Im Frühjahr 2005 wurde das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé nach einer Vorankündigung von vermutlich regierungsnahen Personen beschossen, gestürmt und teilweise in Brand gesteckt. Wenn selbst kulturelle Einrichtungen, wie das deutsche Goethe-Institut angegriffen werden, dann hat ein Mensch, der gegen den Präsidenten die Stimme erhoben hat, keine Chance.

Aus diesem Land stammt Kudzo, der in der vergangenen Woche hier in Wismar ein Opfer von Gewalt geworden ist. Kudzo hat, wie andere togolesische Freunde, in unserem sicher scheinenden Land Zuflucht gesucht. In ihrer afrikanischen Heimat müssen Menschen wie Kudzo, die den Staat kritisieren, um ihr Leben bangen. Einige Togolesen aus Wismar treffe ich regelmäßig. Sie besuchen die Gottesdienste der Evangelisch-methodistischen Kirche in Wismar. Wir freuen uns, dass wir so selbstverständlich miteinander leben können.

Darum habe ich mich mit Koffi A., Bachirou A. und Sambo M. zusammengesetzt und über die Situation gesprochen. Zunächst bedanken sie sich bei mir, dass sie hier leben dürfen. Ich empfinde das als sehr freundlich, da doch gerade einer aus ihrem Kreis Gewalt erfahren musste. Allerdings höre ich aus den Gesprächen mit ihnen, dass es für einen Afrikaner hier in Deutschland besser ist, nicht allein unterwegs zu sein und lieber den Stadtbus zu benutzen, als im Dunkeln zu Fuß zu gehen.

Dabei stoße ich auf eine dpa-Meldung aus Berlin. Dort hat der Afrika-Rat einen Katalog mit Vorsichtsmaßnahmen für schwarze Besucher der Fußballweltmeisterschaft vorbereitet. Dem Vorsitzende des Afrika-Rats, des Dachverbandes afrikanischer Vereine und Initiativen in Berlin-Brandenburg, Moctar Kamara, wurde daraufhin Panikmache vorgeworfen. Er wies allerdings die Vorwürfe Berliner Politiker zurück. Es würden jeden Tag in Deutschland zahlreiche schwarzhäutige Afrikaner „angegriffen, beschimpft und beleidigt“. Kamara sagte weiter: „Die Politiker können das nicht wirklich wissen, sie leben in einer anderen Welt.“

Ich schäme mich dafür, dass so etwas in unserem Land noch geschieht. Wenn wir für unser Land einen wirtschaftlichen Aufschwung suchen, wenn wir unsere guten kulturellen Traditionen leben wollen, dann können wir das nur als eine liberale, weltoffene Gesellschaft tun. Aggression und Gewalt dürfen unter uns keinen Platz haben, erst recht, wenn es um Menschen geht, die bei uns Zuflucht suchen.

Sambo A., Generalsekretär eines Vereins von Togolesen hier in Deutschland, der sich um den Schutz der Emigranten in Deutschland kümmert und sich für eine demokratische Ordnung in Togo stark macht, erklärt: „Ich denke es ist nicht gut, einander zu schlagen, da wir hier miteinander leben. Wir sind Ausländer hier in Wismar. So etwas haben wir hier noch nicht erlebt. Wir haben Probleme in unserem Land (Togo) und wir bitten die Wismarer Bürger uns zu akzeptieren, wie wir sind. Wir danken allerdings für die schnelle Hilfe durch die Polizei und wir sind froh, dass ein Wismarer Bürger die Polizei alarmierte.“

Was mir dabei immer noch zu denken gibt ist, dass es weitere Zeugen dieser Schlägerei gab, die nicht eingegriffen haben.

Bei meinen Besuchen im Krankenhaus, als ich Kudzo mit seinen togolesischen Freunden besuchte, fand ich auf dem Nachttisch die Karte eines Mannes aus Wismar, der sich für das Leid, das Kudzo angetan wurde, bei ihm entschuldigte.

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