Winterhilfe für Familien in Albanien

Datum:  |  Autor: OSTSEE-ZEITUNG

Wismar erreicht Hilferuf aus Albanien – 100 Familien in Bergregion vom Schnee eingeschlossen

Wismar/Bishnice (OZ) – „Dringender Aufruf zur Hilfe für 100 Familien, die vom Schnee eingeschlossen sind“. So ist eine Mail aus Albanien überschrieben, die die OZ-Redaktion erreicht hat. Nicht ohne Grund, denn die in Wismar gegründete Albanienhilfe besteht seit über 20 Jahren, im letzten Jahr wurde das Jubiläum in der Hansestadt begangen.

Während sich in unseren Breiten langsam der Frühling einstellt, kämpft die Bevölkerung in der albanischen Mokra-Bergregion mit dem harten Winter. „Die schwierigen Wetterverhältnisse in diesem Winter bestehen weiterhin in großen Teilen des Landes. Die vielen Schneemassen, der Frost und Kälte, die in unserem Land herrschen, haben ganze Dörfer in der Bergregion von Mokra von der Außenwelt abgeschlossen. Staatliche Hilfen sind auch in diesen schwierigen Tagen nur begrenzt für diese Region, die schon seit Jahren vom Staat vergessen ist, geleistet worden“, schreibt Manjola Lushka.

Die studierte Sozialarbeiterin, die für den Christlichen Hilfsverein Wismar vor Ort arbeitet, erklärt die Lage: „Seit ungefähr zwei Monaten sind die Dörfer Zgalle, Jolle, Shpelle, Bishnice, Losnik, Senisht und andere Dörfer der Kommune Velcan von den Schneemassen eingeschlossen. Die Schneehöhe hat 1,5 Meter überschritten und es fällt weiterhin Neuschnee. Für rund 100 Familien in diesen entlegenen Dörfern sind die Lebensumstände sehr schwer geworden. Außer den schwierigen Wetterverhältnissen, den Stromausfällen, der fehlenden ärztlichen Versorgung und alltäglichen Dingen, mangelt es den Menschen auch am täglichen Brot.“

Als christliche Organisation, die seit Jahren in diesem Gebiet arbeitet und Hilfe in verschiedenen Bereichen leistet, „möchten auch wir diesen Bewohnern in diesem Winter helfen, indem wir ihnen lebensnotwendige Güter bringen und dadurch ihre Not lindern. Unser Plan ist es“, schreibt Manjola Lushka weiter, „dass wir diesen Familien mit einem Lebensmittel-Korb mit den nötigsten Dingen helfen. Ein solcher Korb kostet für eine durchschnittliche Familie mit sechs Personen etwa 30 bis 50 Euro“.

Abgelegen und weit weg von der Hauptstadt Tirana haben sich die Bergdörfer seit der Wende 1990 nur wenig entwickelt. Kinder gehen zu Fuß zur Schule, viele Einheimische setzen auf den Eselskarren. Wie schlecht die Straßen sind, davon konnte sich die OZ im letzten Dezember bei einer Reportage über die Verteilung der Weihnachtspakete in der Bergregion überzeugen. Damals war noch kein Schnee gefallen, es bedarf keiner großen Fantasie, um sich vorzustellen, wie schwer das Überleben im schneereichen Winter jetzt zu organisieren ist.

Frieder Weinhold, Gründer der Albanienhilfe Wismar und heute Vorsitzender des Christlichen Hilfsvereins (CHW), hatte anlässlich des 20. Jubiläums der Albanienhilfe gemeint: „Albanien braucht unsere Partnerschaft noch mindestens 20 Jahre.“ Schon jetzt hoffen viele Bergbewohner auf eine Soforthilfe. „Wir haben in dieser Woche die ersten 1500 Euro überwiesen“, sagte gestern Frieder Weinhold. Das Geld stammt von Einzelpersonen und Kirchgemeinden. CHW-Mitarbeiter werden jetzt Lebensmittel kaufen und sie dann verteilen. „Wir bräuchten insgesamt 3000 Euro“, bittet Weinhold um weitere Spenden und sagt: „Die letzten Wochen waren in den Bergdörfern sehr dramatisch.“ Er selbst macht sich morgen auf den Weg nach Albanien. Mit dabei ist eine Dentalausrüstung für einen Zahnarzt sowie ein Mitarbeiter eines Pflegedienstes aus Grevesmühlen.

Sonderspenden für die Familien können Sie unter dem Stichwort „Winterhilfe“ auf das Konto 12 000 14 100 bei der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest (BLZ 140 510 00) überweisen.

aus: OSTSEE-ZEITUNG Wismar, Donnerstag, 08.03.2012

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