Zweiter CHW-Hilfskonvoi nach Tulcea / Rumänien

Datum:  |  Autor: CHW

Anfang April konnten wir erneut Hilfsgüter an die rumänisch-ukrainische Grenze bringen und Geflüchtete mit ins sichere Deutschland nehmen. Als glücklicher Umstand erwies sich, dass drei Teilnehmer bereits am ersten Hilfskonvoi teilgenommen hatten, daher die Situation vor Ort kannten und Kontakte zu Unterstützern hatten. Aber der Reihe nach.

Verabschiedung am Wismarer Rathaus

Von Wismar an die ukrainische Grenze

Am Donnerstag, 31.03. startete unser Konvoi um 17.00 Uhr vor dem Rathaus der Hansestadt Wismar. Der Bürgermeister der Stadt, Herr Thomas Beyer, und der Präsident der Bürgerschaft, Herr Siegfried Rakow, ließen es sich nicht nehmen, den Konvoi mit guten Wünschen zu verabschieden. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Konvoi aus einem Peugeot Boxer nebst Anhänger, einem vom Stadtjugendring kostenlos zur Verfügung gestellten Mercedes Sprinter nebst Anhänger sowie zwei Caddys des CHW. Im Laufe der Reise nach Rumänien stießen noch ein Transporter und ein PKW aus Höxter und Bielefeld hinzu.

Die erste Übernachtung war in Magdeburg gebucht. Nach zwei weiteren Übernachtungen bei Budapest und bei Bukarest und etwa 2.300 Kilometern erreichten wir Tulcea, nur wenige Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze. Es war Sonntag und auf dem gut besuchten Marktplatz trat eine Folkloregruppe auf. Die verbreitete Fröhlichkeit wirkte angesichts des Kriegsgeschehens nur wenige Kilometer weiter etwas befremdlich.

Für Montagmorgen war vereinbart, dass wir die Hilfsgüter zu einer extra dafür geräumten großen Halle bringen. Die Abwicklung war Routine für die Mitarbeiter dieses Humanitären Logistik-Hubs. Sie wiesen uns einen Platz zu, wo wir die mitgebrachten Hilfsgüter abladen konnten, sortiert nach Medikamenten, Hygieneartikeln, Lebensmitteln, Bekleidung etc. Von Tulcea aus werden sie dann mit LKWs in das Kriegsgebiet gebracht und an die notleidende Bevölkerung verteilt.

Video: Heiko Hoffmann

Deutlich weniger Geflüchtete

Anschließend fuhren wir zum Grenzübergang Isaccea, wo die aus der Ukraine Geflüchteten über eine Donau-Fähre eintreffen. Hinter dem Checkpoint werden sie von Hilfsorganisationen betreut und mit dem Notwendigsten versorgt. Frieder Weinhold, Tim Probsthain und Adalbert Ringwald hatten beim ersten CHW-Hilfskonvoi einen großen Andrang an Geflüchteten erlebt. Dies war jedoch inzwischen nicht mehr der Fall; nur vereinzelt nutzten Ukrainer*innen die Fluchtmöglichkeit über die Donau. Unsere Kontaktpersonen vermittelten den Kontakt zu sechs Geflüchteten, die dann am Dienstag, 05.04. mit unseren Fahrzeugen aus Höxter und Bielefeld die Reise nach Deutschland antraten.

Parallel dazu hatte Frieder Weinhold Kontakt zu einer Baptistengemeinde in Galatij im Dreiländereck Moldawien – Ukraine – Rumänien geknüpft. Dort warteten ebenfalls Geflüchtete, die nach Deutschland wollten: Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern kam aus dem stark vom Krieg heimgesuchten Mikolajew, eine junge Frau mit ihrer Mutter und ihrem autistischen Sohn aus dem ebenso stark beschossenen Chersson und eine weitere Mutter mit vier kleinen Kindern aus Odessa. Die Verständigung war schwierig, da die Geflüchteten nur russisch sprachen. Einige von uns hatten in der Schule Russischunterricht und holten jahrzehntelang verschüttetes Wissen hervor. In dieser Situation erwies sich der Google-Übersetzer als nützliches Hilfsmittel.

Kriegsschicksale

Die Stimmung bei unseren ukrainischen Mitfahrerinnen war beklommen, wofür es sicherlich ganz viele Gründe gibt. Sie mussten uns vertrauen, um möglichst schnell an ihr Ziel Deutschland zu gelangen. Doch auch wir wurden im Laufe der Fahrt sehr nachdenklich, je mehr wir von ihren Schicksalen erfuhren. Tagesschau-Bilder haben eine andere Wirkung als persönliche Schilderungen von Kriegsopfern über zerstörte Wohnungen, Bombardements und Nächte im Keller. Das Vertrauen zueinander wuchs jedoch von Stunde zu Stunde – die herumtollenden Kinder während der kurzen Pausen waren Beweis dafür.

Am Donnerstag, 07.04. erreichten wir Dresden. Als Dank für unsere Unterstützung spielten der 13-jährige Maxim und der 8-jährige Mykola für uns im Hotel ein Ständchen – auf Geigen, die sie neben den notwendigen Habseligkeiten mit auf die weite, beschwerliche Reise genommen hatten. Ein bewegender Moment. Am Freitag brachten wir Svetalana, Maxim, Dennis, Mykola und Natascha zum Bahnhof in Leipzig, wo sie mit dem Zug nach Nürnberg weiterfuhren. Dort erwarteten sie ihre älteren Töchter, die bereits bei Kriegsausbruch geflüchtet waren. Die beiden anderen Familien fuhren mit uns nach Wismar, wo wir schon während der Fahrt eine Unterbringung für sie organisiert hatten.

Vielen Dank

Für mich bleibt am Ende, dass wir zwar nicht die Welt retten können, dass wir aber einen kleinen Beitrag geleistet geleistet haben, sie etwas besser zu machen. Daher vielen Dank an alle, die sich mit Spenden oder ganz praktisch an unserer Hilfsaktion beteiligt haben. 

Frank Brosig

 

Fotos: Tim Probsthain, Frank Brosig, Heiko Hoffmann

 

Kommentare
  1. Christof Rattinger

     |  Antworten

    Beeindruckender Bericht. Wir merken wieder einmal deutlich, wie gut es uns in der warmen und sicheren Wohnung geht. Jeden Tag ausreichend zu Essen haben ist eben nicht selbstverständlich. Chapeau vor so viel Engagement und Zivilcourage. Wenn Ihr einen dritten Konvoi plant, sagt Bescheid, wir beteiligen uns wieder gerne-wenn auch nur finanziell- an Eurem Projekt. Herzlichst Christof und Katrin

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