Am 30. November ging es mit dem Flieger von Hamburg nach Tirana. Schon die Ankunft am Flughafen versetzte mich ins Staunen, denn das moderne Design der Halle begeisterte mich.
Zur Weiterreise nach Pogradec begaben wir uns in die Hände des öffentlichen Verkehrs. Wir brauchten nicht lange suchen, welcher Kleinbus in die gewünschte Richtung fuhr; schnell wurden uns die Koffer entrissen und im Bus verstaut, wir liefen fix hinterher. Das ging alles sehr schnell, aber auch korrekt. Eine zweieinhalbstündige Fahrt begann, in der ich meine Nase an die Scheibe drückte, denn die Landschaft war grandios.
Abends fand die erste Begegnung mit den anderen Helfern der Verteilaktion im Büro der Diakonia Albania statt. Es war aufregend und spannend zugleich. Nach einer Vorstellrunde ging es auch schon los, den ersten Verteiltag zu organisieren.
Die Päckchen an die Kinder ausgeliefert
Meine erste Tour ging erst nach Korça in eine Palliativklinik, und dann nach Gramsh in eine Suppenküche, in der Nonnen täglich mehr als 90 Kindern ein warmes Essen bereiten. Beide Stationen waren sehr beeindruckend. Mich hat besonders die endlose Energie der Nonnen begeistert. Sie haben ihre Bedürfnisse, ihr ganzes Leben dem Wohlergehen anderer Menschen untergeordnet. Dabei strahlten sie so eine Fürsorge und Zuversicht aus, dass wir uns in ihren Räumen gleich wohl fühlten. Zu meiner Überraschung wurden wir alle, immerhin zehn Helfer, zu einem köstlichen Essen eingeladen. Groß war die Freude über unsere Päckchen – so können die Nonnen den vielen Kindern zu Weihnachten eine Überraschung bereiten.
Ab dem zweiten Tag fuhren wir zu den Kindern in den Dorfschulen und Kindergärten. Die ersten Wege führten uns nach Dunicë und Trebinjë. Schon beim Betreten mancher Schulen fielen mir die großen Holzberge für die kleinen Öfen in den Klassenräumen auf. Diese kleinen Öfen waren jedoch nicht immer ausreichend, so dass die Kinder oft in dicken Jacken lernten bzw. spielten. Als Dankeschön sagten einige Kinder aus dem Kindergarten für uns Gedichte auf. Mit strahlenden Augen hielten die Kleinen ihre Päckchen fest.


Nicht nur die Kleinen freuten sich uns zu sehen. Beim Abladen der Päckchen erreichte uns der Freudenschrei aus einer Klasse; eine Lehrerin erzählte, dass die Kinder an diesem Tag so aufgeregt sind, dass es nicht gut möglich ist, den Unterricht zu veranstalten. In manchen Schulen sahen wir einige Kinder gleich nach der Verteilung mit ihren Päckchen nach Hause laufen – ich glaube, dass die Schule sicher noch nicht beendet war.
Trotz der sehr spärlich eingerichteten Klassenräume stand in jedem Raum ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum. In den Schulzimmern und Kindergärten fehlten einige Kinder, weil es zum Teil nicht möglich war, die Straßen nach dem langen Regen zu benutzen. Der Schlamm war manchmal kniehoch, wovon wir uns selbst ein Bild machen konnten.
Helfer aus Albanien und Deutschland
Mich hat sehr beeindruckt, dass einige Helfer aus Deutschland für mehrere Tage mit ihren Allrad-Autos angereist waren. So konnten wir in die besonders abgelegen Dörfer fahren, um auch dort Päckchen zu verteilen. Für die jungen Fahrer hatte die Fahrt auf den Bergsträßchen einen besonderen Spaßfaktor, auch wenn wir Mitfahrer vor Angst die Augen schlossen oder Lieder gegen die Angst sangen. Es war wirklich eine besondere Erfahrung… Am Ende war aber alles gut, denn es saßen Profis am Steuer.
Besondere Momente waren für mich immer die gemeinsame Mahlzeiten. Wir waren etwa 20 Personen an einem Tisch. Jedes Frühstück begann mit einer morgendlichen Andacht, ein guter Start in den Tag. Die Speisen waren für mich manchmal unbekannt, aber alles hat sehr lecker geschmeckt. Einen besonderen Dank der Köchin Elda, die das ganze Team jeden Tag mit drei gehaltvolle Mahlzeiten versorgte!
Meine beste Entscheidung
Die Entscheidung, den Weihnachtspäckchen hinterher zu reisen und sie an die Kinder zu verteilen, war meine beste Entscheidung des Jahres. Die glücklichen Kinderaugen zu sehen hat mein Herz auf besondere Weise berührt und mich froh gemacht. Freunden und Bekannten konnte ich den Beweis erbringen, dass ihre Päckchen auch an die richtigen Adressen kamen.
Ich hoffe für die Zukunft, dass die Spendenbereitschaft nicht abnimmt, so dass wir noch weiterhin Kinderaugen strahlen sehen werden. Und für mich selbst schließe ich nicht aus, noch einmal an der Verteilaktion vor Ort teilzunehmen.
Vera Moritz








































Fotos: Anisa Elesi, Ema Coku, Aurora Zeqo, Fatjon Pjetri, Sabine Bäcker u.a.

