Aus dem Leben von Gjerasim Qiriazi

Datum:  |  Autor: Christina Cekov / CHW

Es gibt eine Reihe von historischen Persönlichkeiten in Albanien, die durch ihren Mut, ihren christlichen Glauben und die Liebe zu ihrem Volk viel bewegt haben. Einer davon ist der makedonische Albaner Gjerasim D. Qiriazi, der die Entwicklung der albanischen Schriftsprache mitgeprägt hat und sich für die Bildung der Mädchen in seinem Land eingesetzt hat.

Der 1858 geborene Albaner Gjerasim Qiriazi erhielt seine Schulbildung an der Griechischen Schule in seinem Geburtsort Monastir, Makedonien. Danach erwarb er ein Diplom in protestantischer Theologie am Amerikanischen College in Samokov, Bulgarien, das er als einer der intelligentesten Köpfe verließ, die dort jemals studiert haben.

Später arbeitete er für die „Britische und Ausländische Bibelgesellschaft“ in Monastir. Dort war er den Missionaren eine große Hilfe. Sein Herz schlug jedoch für Albanien, das kaum Bildung und keine evangelischen Gemeinden besaß. Er drängte darauf, dass eine albanische Abteilung an der  Mädchenschule in Monastir eingerichtet wurde. Er selbst gab dort Unterricht in albanischer und griechischer Sprache. Auch hielt er erstmals Gottesdienste auf Albanisch.

Als Mitglied des albanischen Nationalkomitees war Gjerasim Qiriazi wesentlich an der Einführung eines einheitlichen Alphabets beteiligt, das eine Verbindung zwischen den verschiedenen Teilen Albaniens darstellt. Er begann mit der Herausgabe einiger Bücher, übersetzte die vier Evangelien, die Psalmen, die Sprüche und andere Teile der Bibel, sowie Lieder und Schulbücher in seine Muttersprache.

Im November 1884 wurde Qiriazi von Wegelagerern gekidnappt, weil diese ihn mit einem reichen Händler verwechselten, und über Monate hinweg gefangen gehalten. Während seiner Gefangenschaft predigte er seinen Peinigern beständig die Liebe Gottes, obwohl er immer wieder mit dem Tod bedroht und mißhandelt wurde. Als schließlich ein Viertel der geforderten Summe bezahlt wurde, wurde er freigelassen.

1891 eröffnete er in Korca gemeinsam mit seiner Schwester Sevasti die erste albanische Mädchenschule, die lange Zeit die einzige ihrer Art blieb. Er predigte regelmäßig an den Sonntagen und hielt Bibelstunden, was mit großer Gefahr verbunden war – mehr als einmal wurden Anschläge auf ihn verübt.

Im Frühjahr 1890 wurde Gjerasim Qiriazi in Monastir zum Pastor ordiniert, bald nach seiner Heirat mit einer jungen christlichen Griechin. Sie bekamen einen Sohn namens Stephen. Nicht lange danach starb die junge Ehefrau, und auch Gjerasim Qiriazi starb bereits im Januar 1894 an der Tuberkulose, die er sich während seiner Gefangenschaft zugezogen hatte.

Text: Christina Cekov, ergänzt von Stefan Kost

Zitate und Anektoden

Zwei Dinge ärgern den Menschen: Wenn er den anderen schweigen sieht, wo er reden sollte, und ihn reden sieht, wo er schweigen sollte.

Ein Mensch, der die Straße entlang ging, traf einen Freund und fragte ihn: „Wie ging es weiter mit unserem Freund Jovan?“ „Frag lieber nicht. Der Elende!“ antwortete er. „Den armen Jovan hatten sie zum Tode verurteilt, aber er entrann der Strafe – er starb im Gefängnis.“ (aus: Kristomaci, S. 323)

Werke von Gjerasim Qiriazi
  • Der Bericht von Qiriazis Gefangenschaft ist sehr lesenswert, liegt aber leider nur auf englisch und albanisch vor. Auf englisch: Captured by Brigands, Albanian Evangelical Trust, P.O. Box 388, Wrexham, CLWYD LL 112TW, Great Britain; albanisch: Pengu i Kaçakëve, Karta e Pendë 1993, Rr. Konferenza e Pezës, Pall. 114, Shk. 1, Ap. 1, AL-Tirana
  • Albanischer Gedichtband Kristomaci, Rilindja, Prishtinë 1991
  • Ebenfalls albanisch: seine Biographie Besë, Shpresë dhe Dashuri. Jeta e Gjerasim Qiriazi von Xhon Kuanrud (John Quanrud), Karta e Pendë 1998 (Adresse s.o.)

 

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